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Das Zeiler Käppele

 

 

Bereits 1250 stand in der Nähe der heutigen Kirche ein Gotteshaus, das Teil der Zeiler Burg, des Castrum Cilanum, war. Im Jahre 1727 dann wurde dort, nachdem die Burg längst abgetragen war, eine schlichte Kapelle errichtet. In ihrem Inneren hing nur ein einziges Gemälde, ein Bild der Mutter der immerwährenden Hilfe.

 

Die Ölbergstation

Unter Stadtpfarrer Ebert wurde 1862 die baufällige Muttergotteskapelle restauriert. Die Kreuzigungsgruppe, die noch heute auf dem Berg steht, wurde im Jahr 1864 hinzugefügt. Als Zeil im Krieg zwischen Preußen und Österreich verschont blieb, errichteten die Zeiler Bürger auf dem First des Kirchleins eine Muttergottesstatue. Die Figur wurde im Jahre 1873 von den Zeiler Kriegsteilnehmern, die bis auf einen alle aus dem Krieg gegen Frankreich zurückgekehrt sind, vergoldet. Schon mehrere Jahre lang hegten die Zeiler den Wunsch, entlang des steilen Aufstieges neben dem Pfad Kreuzwegstationen zu errichten. Durch das Engagement des Zeiler Bürgers Nikolaus Steininger konnte der Wunsch erfüllt werden und im Jahre 1880 weihte der Würzburger Kapuzinerpater Franz Paul die ersten 14 Stationen ein.

 

Als 1882 der Dechantpfarrer Karl-Josef Link als Seelsorger nach Zeil kam, war er tief von dem armen Kirchlein in so malerischer Lage ergriffen. In ihm reifte der Plan, hier ein fränkisches Lourdes zu schaffen, und als man eine hübsche Summe zusammenhatte, wurde nach grundlegender Erneuerung der Kirche am 17. Juni 1883 die Lourdesgrotte feierlich eingeweiht. Mittlerweile hatte das Kirchlein einen weiten Ruf erlangt. Der Bierbrauereibesitzer Georg Weinig entschloß sich damals, auf eigene Kosten einen Turm zu bauen, dessen beide Glocken zusammen von Georg Weinig und Nikolaus Steiniger gestiftet wurden. Die neue Bereicherung des Kirchleins zog immer mehr Wallfahrer an, und eine Erweiterung der Kapelle wäre dringend notwendig gewesen. Doch mangels finanzieller Mittel mußte man sich noch einige Zeit gedulden. 1886 wurde der steile Aufstieg durch einen bequemen Fußweg ersetzt und im Jahr darauf wurde ein Fahrweg von Schmachtenberg her eingerichtet.

Die Maria-Hilf-Kirche

 

Die Madonna, die von den Kriegsteilnehmern gegen Frankreich aus Dankbarkeit vergoldet worden ist, grüßt auch wieder vom First der neuen Kapelle die Gläubigen

Inzwischen war auch ein Kirchenbauverein entstanden und das Vermögen bedeutend gewachsen. Noch im Jahr 1889 wurde der Plan zum Bau einer neuen Kapelle entworfen, im romanischen Stil mit zwei kleinen Türmchen. Nachdem man den Bauplatz durch Schenkung erworben hatte und die eingeleiteten Verfahren genehmigt wurden, konnte mit dem Bau der Kapelle begonnen werden. Die Zeiler Steinbruchbesitzer schenkten die Steine zum Bau und die Bürger der Stadt erklärten sich bereit, Wasser und Sand unentgeltlich den Berg hinaufzutransportieren, so daß am Pfingstmontag, den 14. Mai 1894 mit der Grundsteinlegung begonnen werden konnte. Nachdem bereits im November der Rohbau fertig stand, trat bis zum Mai des nächsten Jahres eine Unterbrechung ein. Aber nur wenige Wochen später konnte die feierliche Weihe der drei gestifteten Glocken vorgenommen werden. Am letzten Tag im Mai 1897, nachdem die Ausschmückung der Kapelle vollendet worden war, wurde sie durch kirchliche Weihe geheiligt und ihrer Bestimmung übergeben. Vom First der Kirche herab grüßt wieder das vergoldete Marienbild.

 

Während des ersten Weltkrieges war das Käppele Stätte des Gebetes für die Kriegsteilnehmer. Die Zeiler Bevölkerung und ihr Pfarrer Johannes Dümler mußten 1917 mit ansehen, wie die zwei größten Glocken als kriegswichtiges Material abgenommen, zertrümmert und abtransportiert wurden. Am Abend zuvor hatten sie noch eine Stunde lang zum Abschied geläutet. Erst im Jahre 1924 konnten zwei neue Bronzeglocken an ihrem Platze geweiht werden. 1928 wurde in der Kirche und im Hospiz elektrisches Licht installiert, nachdem im Jahr zuvor der Anschluß an das städtische Stromnetz erfolgt war.

 

Dümler verstarb im Jahre 1936 an den Folgen seiner Schutzhaft unter dem damaligen Regime. Sein Nachfolger, Pfarrer Bernhard Rüdenauer, mußte der Gemeinde ein guter Hirte in dieser schweren Zeit sein. Des öfteren führte er heimlich religiöse Veranstaltungen im Käppele durch, die offiziell von den Nazionalsozialisten verboten waren. 1939 wurde mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges die Bergkapelle zum vierten Male Zufluchtsort für die Kriegsteilnehmer aus Zeil und der Umgebung. Anfang 1942 mußten alle Glocken zum Einschmelzen abgenommen werden, doch schon am Ende des Jahres wurden zwei nue Glocken aus beschlagnahmefreiem Material geweiht.

 

Im Jahre 1948 wurde begonnen die Kriegsschäden an der Kapelle zu beseitigen. Der teilweise zerstörte linke Turm wurde wieder instandgesetzt. Zwei Jahre später wurden die übrigen Schäden am Mauerwerk und im Inneren der Kirche behoben. Zu dieser Zeit sammelte man schon eifrig für neue Glocken, die aus Stahl sein sollten und nie wieder für andere Zweicke abgenommen werden können. Die drei neuen Glocken wurden am 3. Juni 1951 geweiht und vom Haßbergverein in den beiden Türmen montiert.

 

Der neue Bischof von Würzburg regte 1952 bei einem Besuch eine gründliche Renovierung und Umgestaltung an. Es bildeten sich zwei Lager, deren Vorstellungen häufig aneinanderprallten. Schließlich wurde der Bevölkerung gesagt, daß die Pfarrangehörigen ihren Seelsorgern mehr Vertrauen schenken sollten, die Sorge für den Umbau der Kapelle den Fachleuten überlassen und mit dem Schimpfen warten sollten, bis die Kapelle fertig sei.

 

Durch großzügige Spenden aus der Bevölkerung und deren Hilfsbereitschaft konnte der Umbau schnell vollzogen werden. Der Innenraum der Kirche wurde viel schlichter gestaltet. Er verlor die beiden Seitenaltarnischen, die hinteren Chorfenster und das rechte Rundbogenfenster. Sämtliche Gemälde wurden abgewaschen und die Wände neu verputzt und gekalkt. Die farbigen Fenster wurden durch farblose Butzenscheiben ersetzt. Im Chor wurde eine überlebensgroße Figur Christi angebracht. Auf der Chorwand befinden sich verschiedene Fresken. Der einzige Seitenaltar auf der linken Kapellenseite ist der Gnadenaltar mit dem Gnadenbild Maria-Hilf aus der alten Kapelle, das über 300 Jahre alt ist. Die Seitenwände und die Kassettendecke sind ohne Schmuck. Neu angebaut wurde eine fünfeckige Lourdesgrotte mit Durchgang zur Kirche.

Der Innenraum des Käpelle nach dem Umbau 1954. Die Zeiler waren bestürzt, wie schlicht sich das Kirchenschiff im Vergleich zu vorher präsentierte (vgl. Bild weiter oben).

 

Domkapitular und Dompfarrer Josef Seitz aus Speyer weihte den Hochaltar und die Statuen der renovierten Kirche.Im Jahr 1954 besuchte der Bischof von Würzburg mit 10 000 Gläubigen im Rahmen einer Wallfahrt das Zeiler Käppele und zeigte sich mit dem Umbau sehr zufrieden - im Gegensatz zu vielen Zeiler Bürgern. Trotzdem wurden bis 1995 nur noch geringfügige bauliche Änderungen vorgenommen.

 

In der Nacht zum 7. Juli 1962 wurde die Statue der hl. Bernadette zusammen mit einer wertvollen barocken Figur der Gottesmutter Maria aus der Kirche gestohlen. Die Bamberger Täter, die man später faßte und verurteilte, hatten die Muttergottesfigur völlig umgearbeitet, um sie besser verkaufen zu können. Die andere Statue zersägten sie und warfen die Einzelteile in den Main. Von privaten Stiftern wurde 1968 ein neue Figur der hl. Bernadette geschenkt. Im Jahr darauf wurde der Kirche eine neue elektronische Orgel gestiftet. Im gleichen Jahr ließ der Mühlenbauer Josef Hümpfner am Fahrweg durch den Wald schlichte Kreuzwegstationen aus Zeiler Sandstein errichten. 1971 wurde der Waldweg geteert, um die Kirche mit dem Auto erreichen zu können. Da dies bei den Wanderern, Fußgängern und Wallfahrern auf wenig Gegenliebe stieß, wurde der Weg 1995 für den Kraftverkehr gesperrt. Die Kirche kann aber noch über den Höhenweg ab Schmachtenberg oder über Flurbereinigungswege zwischen Bischofsheim und Zeil mit dem Auto erreicht werden. 1981 wurden die beiden Türme neu gedeckt und die Turmknäufe sowie die Madonna auf dem First neu vergoldet. 1984 wurden die wertvollen "Votivkindln" aus Wachs aus dem Keller der Kirche geholt und im rechten Turm eine Votivkammer eingerichtet.

 

1986 schließlich wurde von der Stadt Zeil im Rahmen der Fremdenverkehrsförderung eine Beleuchtungsanlage installiert, damit die Kirche auch in den Abend- und Nachtstunden bestaunt werden kann und auf diesem Wege auch fremde Besucher in die Stadt lockt.

1993 leitete Stadtpfarrer Östreicher in die Wege, daß das Käppele bis zur 100-Jahr-Feier 1997 einer gründlichen Außen- und Innenrenovierung unterzogen werde. Nachdem die erforderlichen Finanzen mit Sammlungen, Zuschüssen und großzügigen Spenden aufgebracht waren, begann im Mai 1995 die lange geplante Außensanierung und Neugestaltung der Kirche. Die Arbeiten umfaßten eine komplette Neueindeckung aller Dächer mit Ausnahme der Türme, umfangreiche Spenglerarbeiten, Zimmereiausbesserungen, Naturstein-Sanierungen und eine Sanierung der Glockenanlage.

Im April 1996 wurde die Kirche ausgeräumt und das Allerheiligste mit einer Lichterprozession in die Stadtpfarrkirche überführt. Bei der Innengestaltung der Kirche wollte man, soweit es die Mittel zuließen, möglichst den ursprünglichen Zustand wiederherstellen.

Die 1995 renovierte Außenfassade

 

Diese beiden feingearbeiteten Fensterscheiben, die nach dem Umbau 1954 in der Sakristei ein Schattendasein gefristet haben, befinden sich seit 1996 wieder im Kirchenschiff und können von den Besuchern bestaunt werden.

Beim Umbau in den 50er Jahren verschlossene Fenster wurden wieder geöffnet, die Bemalungen der Fensterfragmente wurde nach Möglichkeite wieder freigelegt und ergänzt. Das Tonnengewölbe im Chorraum wurde durch das ursprüngliche Kreuzgewölbe ersetzt und der ehemalige Josefsaltar wurde als neuer Hauptaltar in die Kirche zurückgebracht. Dazu mußte er jedoch teilweise umgestaltet werden. Der Volksaltar, der jetzt näher an den Bänken steht, und der Ambo wurden von Zeiler Bildhauern neu geschaffen. Die beiden Seitenaltäre werden durch Stuckrahmen nur angedeutet, die beiden Halbkreisbögen bleiben weiterhin verschlossen. Die Kassettendecke ließ sich nicht in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen, da die Gemälde bei der Übermalung 1954 zerstört wurden. Lediglich die Farbgestaltung der Rahmen konnte rekonstruiert werden. Um die Decke intensiver wirken zu lassen, verzichtete man auf eine Bemalung der Chorwand. Die Einlegearbieten der Emporenbrüstung konnten wieder freigelgt und sorgfältig überarbeitet werden. Ein Blickfang von besonderem Wert sind die noch erhaltenen alten Glasbilder, die seit 1954 als Sakristeifenster Verwendung fanden.

 

Dem technischen Stand unserer Zeit entsprechend wurde die gesamte elektrische Anlage erneuert und erweitert. Nicht vergessen werden soll aber, daß der Kirchenvorplatz neu gerichtet wurde und die Kirche an der Grotte einen behindertengerechten Eingang erhalten hat.

Am Palmsonntag, den 23. März 1997 war es endlich soweit: Pfarrer Östreicher hielt nach genau einem Jahr Renovierungszeit eine erste kleine Dankandacht und nahm somit das Käppele für religiöse Feiern wieder in den Besitz der Pfarrei St. Michael Zeil.

 

Das Käppele gehört zu unserer Stadt wie der Stadtturm oder der spätmittelalterliche Marktplatz. Somit hat sich das Käpelle in den vergangenen 100 Jahren nicht nur zu einem Ort der religiösen Einkehr und Besinnung entwickelt, sondern ist auch zu einem Kulturdenkmal in der Zeiler Geschichte geworden, das für das Gemeinwohl, die Hilfs-bereitschaft und das gute Miteinander der Bürger in Zeil steht.

 

Dieser Text entstand nach Berichten von Ehrw. Schwester Benedikta Weißenberger (1896 - 1972), Konrad Hamm (1921 - 1991) und Dieter Köpf.

 

 

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Stand: 20. February 1999