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Der Berg über der Stadt Zeil, altbekanntes und neuentdecktes Wissen über seine Geschichte.

  1. Spuren auf dem Kapellenberg aus vorchristlicher Zeit.
  2. Die Burg Zeil auf dem Bergplateau.
  3. Der Berg als Ziel religiöser Wallfahrten "zum heiligen Creütz" und zur Maria-Hilf-Kapelle.
  4. Der Übergang von der Maria-Hilf -Kapelle zum Marienheiligtum mit Lourdesgrotte.
  5. Neubau der jetzigen Wallfahrtskirche.

6. Der Steuereinnehmer Johann Wernhammer, Erbauer der ersten Kapelle im Jahre 1727.

 

Einen beeindruckenden Anblick bietet der Zeiler Kapellenberg mit seinen nach drei Seiten steil abfallenden Flanken dem Betrachter, egal ob dieser aus Richtung Sand, Haßfurt oder Krum kommt. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß dieser Berg schon seit altersher die Menschen unserer Gegend angezogen und angelockt hat.

 

Wenn in den Herbsttagen der aufsteigende Nebel oftmals den ganzen Bereich des Bergmassivs unseren Blicken entzieht und erst um die Mittagszeit einzelne Sonnenstrahlen die Nebelschwaden vertreiben und wieder für eine freie Sicht auf den Berg sorgen, so hat dieser Vorgang fast symbolische Bedeutung.

 

Viele Dinge aus der Geschichte des Berges sind vergangen und weithin unbekannt. Nur von einzelnen Vorgängen und Zeiträumen wissen wir genauere Einzelheiten. Ab und zu finden sich durch Nachforschungen wieder einige neue Mosaiksteine, die das lückenhafte Wissen in den verschiedenen Epochen ergänzen und vervollständigen.

 

Auf der Suche nach baulichen Vorgängen in Zeil und den ausführenden Bauhandwerkern fanden sich in den hiesigen Unterlagen bis etwa 270 Jahre zurück auch über den Kapellenberg wieder einige bisher nicht bekannte Erkenntnisse, die zwar manches klären, jedoch auch wieder neue Fragen aufwerfen.

 

Deshalb soll zum Abschluß des Jubiläumsjahres der Käppelesweihe nachfolgend der momentane Wissensstand über die menschliche Besiedlung des Berges sowie die verschiedenen baulichen Vorgänge einmal zusammengefaßt und komplett dargestellt werden. Grundlagen dazu sind die bisherigen Veröffentlichungen verschiedener Autoren (Konrad Hamm, Ilse Heimrich, Ludwig Leisentritt, Sigbert Mantel, Hermann Mauer, Martin Schlegelmilch und Erik Soder von Gülden-stubbe) zu diesem Thema sowie eigene Forschungsergebnisse der letzten Wochen und Monate.

 

 

1. Spuren auf dem Kapellenberg aus vorchristlicher Zeit.

Bis um die Mitte unseres Jahrhunderts war Zeil und seine nähere Umgebung ein "weißer Fleck" auf der frühgeschichtlichen Landkarte von Unterfranken. Als im Jahre 1965 der in Bamberg tätige Schulrektor Hermann Mauer seinen wohlverdienten Ruhestand antrat und in Zeil ein Wohnhaus errichtete, wurde er von dem heimatgeschichtlich interessierten damaligen Bürgermeister Rudolf Winkler gebeten, den hiesigen Bereich nach vorgeschichtlichen Spuren zu untersuchen.

 

Der Neubürger Hermann Mauer verschloß sich dieser Bitte nicht, war er doch in seiner Bamberger Zeit lange Jahre ehrenamtlicher Mitarbeiter des Bayer. Landesamts für Denkmalpflege, Abteilung Vor- und Frühgeschichte, und hatte im Bereich Oberfranken vielfältige Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt. Schon ab 1966 durchstreifte Hermann Mauer zusammen mit seiner Ehefrau systematisch die Zeiler Flur und es dauerte nicht sehr lange, bis er anhand geografischer Gegebenheiten und seiner Erfahrung auf erste Zeugnisse aus längst vergangenen Zeiten stieß.

 

Die nächsten 22 Jahre überprüfte das Ehepaar Mauer alljährlich mehrmals mit Geduld und Beharrlichkeit die Fundstellen, um nach der erfolgten landwirtschaftlichen Bodenbearbeitung vielleicht das eine oder andere Beweisstück aufzulesen, was ihm auch oftmals gelang.

 

Eine dieser oftmals kontrollierten Stellen lag auf dem Rücken des Kapellenberges bzw. der angrenzenden Flur. Es fanden sich dort kleine steinerne Pfeilspitzen, Stichel, Klingen, Schaber und Kratzer von Jäger- und Sammlerhorden der Mittelsteinzeit (ca. 10 000 bis 4 000 v.Chr.). Diese Menschen, von Statur und Körperbau dem oft dargestellten "Neandertaler" gleich, beschafften ihre Nahrung ausschließlich durch Jagen von Fischen, Vögeln sowie größeren und kleineren Vierbeinern und durch Sammeln von Früchten, Wildgemüse, Wurzeln und Vogeleiern. Da sich das jagdbare Wild fast ständig weiterbewegte, war dadurch naturgemäß auch ein häufiger Wechsel der Rastplätze notwendig. Es erhebt sich aber die Frage, warum sich die Steinzeitmenschenhorde so weit von dem jagdbaren Wild unten im Maintal wie Hirsch, Wisent oder Wildpferd entfernt hatte und auf dem Bergrücken aufhielt. Vielleicht versuchten sie, von der Höhe aus leichter die Bewegungen des Großwildes beobachten und ihre Jäger unten im Tal durch Zurufe von oben lenken zu können. Der genaue Grund ist nicht festzustellen. Der Aufenthalt auf dem Berg war sicher von nicht allzu langer Dauer, denn auch unten in der Zeiler Flur fanden sichh ähnliche Waffen- und Geräteteilchen aus gleichem Material und zeugen davon, daß unser ganzes Gebiet von diesen Jägern durchstreift wurde, bis sie schließlich auf ihrer Nahrungssuche weiterzogen.

 

Gegen 4 000 v.Chr. endete die mittlere Steinzeit und durch zurückgehen der Eisgletscher gestalteten sich im Mittelteil Europas auch die Lebensbedingungen immer günstiger. Der vorher recht lange Winter verkürzte sich wesentlich, die Vegetation wurde reichlicher, das jagdbare Getier belebte im Überfluß Berg und Tal, Mainauen und Bachtäler, Teiche und Seen und auch die Kopfzahl der hier lebenden Jägerhorden nahm zu.

 

In der Jungsteinzeit um ca. 3 000 v. Chr. drangen fremde Menschen aus dem Süden Europas nordwärts bis in unsere Gegend und weiter bis an die Westküsten von Frankreich, Belgien und Holland vor. Mit ihren stabilen, ochsenbespannten Wägen schoben sich die Fremdlinge immer mehr in die alten Jagdgebiete der hier lebenden Jäger und Sammler, der Zustrom an Menschen kam besonders aus dem heutigen Balkan entlang der Donau. Die Neuen vermieden klugerweise Kampf und Streit mit den Einheimischen, was auch deswegen gelang, weil sich ihre Lebensweise von jener der Alteingesessenen deutlich unterschied. Sie waren nämlich keine Jäger, sondern brachten den Feldbau ins Land und ein ansehnliches Verständnis für Viehzucht. Der Stammesname dieser Zuzügler ist unbekannt geblieben, doch wegen ihrer Vorliebe für die Verzierung von Tongefäßen mittels Bändern in Form von Spiralen und Windungen nannte man sie die "Bandkeramiker". Da sie vom Süden entlang der Donau kamen, bezeichnete man sie auch als "Danubier" (Donau = lat. Danuvius).

 

Lebenszeichen dieser Danubier der Jungsteinzeit tauchten bei uns erstaunlicherweise nicht in der fruchtbaren Mainaue auf, sondern auf dem Rücken des Kapellenberges, wo viel ungünstigereBodenverhältnisse vorherrschten. Der Grund war vielleicht, daß die Neuen äußerst vorsichtig in dem unbekannten Land Fuß fassen und den Einheimischen nicht gleich das beste Gelände streitig machen wollten.

 

Hermann Mauer fand auf den Feldern hinter dem Kapellenberg zuerst Bruchstücke eines bei uns fremden Gesteins, dann auch noch unverkennbar zurechtgeformte alte Geräte. Spitznackige Steinbeile und breite Feldhacken aus dem zähen Grünstein (Diabas) waren dort oben zur Rodung und Bodenbearbeitung verwendet worden. In dem mit Steinen durchsetzten Boden wurden die Werkzeuge aber schnell beschädigt und splitterten, dementsprechend fanden sich auch nur Bruchstücke und Steinsplitter als Nachlaß. Der Aufenthalt dieser Jungsteinzeitleute auf dem Berg war sicherlich nur eine umstandsbedingte Notlösung und sie zogen schon bald auf einen geeigneteren Siedlungsplatz weiter. Wahrscheinlich wanderten sie in das tiefer gelegene Gebiet der Nassach und deren Bäche ab, in dieser Gegend bis nach Königshofen wurden zahlreiche Siedelstellen der Bandkeramiker anhand von gefundenen Steinwerkzeugen und typisch verzierten Tonbruchstücken nachgewiesen.

 

In verschiedenen Veröffentlichungen wurde schon die These vertreten, auf dem Zeiler Kapellenberg habe es auch eine Fliehburg der Kelten gegeben. Dazu fand sich bei der häufigen und äußerst intensiven Geländebesichtung durch Hermann Mauer nicht der geringste Hinweis. Wie durch Forschung und Literatur bekannt ist, bauten die Kelten ihre Hügelfestungen und Wohnstädte (Oppida) in unserer Region auf Erhebungen, die nach allen vier Seiten abfallendes Gelände aufwiesen und von daher schon einen natürlichen Schutz boten. Der Kapellenberg fällt zwar nach drei Seiten steil ab, geht aber an seiner Rückseite flach in das anschließende Gelände über und war dort offen gegenüber angreifenden Feinden. Beste Beispiele für stark befestigte Keltensiedlungen in unserer allernächsten Nähe finden sich auf dem Kleinen Gleichberg bei Römhild, auf dem Staffelberg und auf dem nahen Großen Knetzberg, in Sichtweite des Kapellenberges gelegen.

 

Gleichwohl darf wegen der Nähe zu den genannten Keltensiedlungen angenommen werden, daß auch diese Menschen zu ihrer Zeit (ca. 1 000 - 50 v.Chr.) den Zeiler Berg schon wegen seiner herausragenden Lage über dem Maintal betraten und unter strategischen Gesichtspunkten untersuchten. Indiz für diese Annahme ist der Fund eines daumennagelgroßen dünnen Bronzebleches in der Flur hinter der heutigen Bergkapelle. Die Zeil am nächsten gelegene kleine Keltensiedlung fand der frühere Kreisheimatpfleger Paul Hinz jenseits des Mains am Hangauslauf des Spitzberges nahe der Wallfahrtskirche Maria Limbach.

 

 

2. Die Burg Zeil auf dem Bergplateau.

Der pensionierte Schulrektor Hermann Mauer beschäftigte sich nach seinem Wohnungswechsel von Bamberg nach Zeil nicht nur mit der hiesigen Vor- und Frühgeschichte. Schon bald nach seinem Zuzug war er willkommener Mitarbeiter einer heimatgeschichtlich interessierten Arbeitsgemeinschaft von Zeiler Bürgern um Bürgermeister Rudolf Winkler, die es sich 1966 zum Ziel setzte, eine Ortschronik zu verfassen. Diese entstand unter maßgeblicher Federführung von Hermann Mauer und unter der Mitarbeit von fünf weiteren Autoren bis 1971 und 1975 in zwei Bänden über die Zeiler Stadtgeschichte , ein dritter Band mit der Geschichte der fünf eingemeindeten Ortsteile folgte 1981 nach. Hermann Mauer wurde für seine 12-jährige Arbeit im Zusammenhang mit der Erstellung der Stadtchronik zum Ehrenbürger von Zeil ernannt.

 

Bei den Vorarbeiten für den ersten Band der Stadtchronik klärte Hermann Mauer auch den bis dahin unter den Gelehrten umstrittenen Standort der Burg Zeil (= Castrum Cilanum). Da es von der Burg keine sichtbaren Überreste mehr gab, half ihm nur langwieriges Suchen in alten Urkunden und Verträgen, welches schließlich auch zum Erfolg führte und die eindeutige Lokalisierung auf dem Kapellenberg zuließ.

 

Anhand von schriftlichen Zeugnissen zeigte sich, daß bereits im Jahre 1250 der Bamberger Bischofim Besitz einer Burg auf dem Berg war. Wann und von wem diese erbaut wurde, ist bislang unbekannt. Nachdem der ursprüngliche Großhof Zilin (=Zeil) nach und nach zu einem Dörflein Zeyll heranwuchs, das zwar ein bambergischer Landesteil, aber ringsum von würzburgischem Gebiet umgeben war, dürfte die Burg wohl als frühmittelalterlicher Wehrbau zu Schutz und Sicherheit der bambergischen Untertanen errichtet worden sein.

 

Um 1250 gab es zwischen dem Bamberger Bischof Heinrich von Schmiedefelden und den Erben des erloschenen Grafenhauses von Giech ernstliche Auseinandersetzungen um die Hinterlassenschaft. Die weltliche Gegenpartei lehnte jeden Anspruch des Hochstifts Bamberg auf einen Erbanteil ab und die Angelegenheit drohte, sich zu einer Auseinandersetzung mit den Waffen auszuweiten. Der Bischof Heinrich suchte sich daher für den Ernstfall Bundesgenossen , die ihm mit Waffen oder wenigstens geliehenem Geld beizustehen gewillt waren. Er fand auch Helfer in dem Grafen von Henneberg, dem Edelherrn Wolfram von Zabelstein und dem Ritter Ludwig von Rotenhan. Letzter half dem Bischof mit einer offensichtlich größeren Summe, wofür die Burg Zeil im Jahr 1250 als Pfand "der treuen Hut des Ludwig von Rotenhagen (=Rotenhan)" überlassen wurde.

 

Auf diesem befestigten Sitz oberhalb von Zeil ließ sich Ludwig von Rotenhan schon bald nieder und trug sich mit dem Gedanken, ihn für sich und seine Nachkommen zu behalten. Er ging deshalb bald dazu über, die vorhandene Wehranlage, die bereits bei der Übernahme aus zwei Burghöfen bestand, auf eigene Kosten auszubauen und weiter zu befestigen. Der untere Hof bildete den Kernbereich der Burg und lag auf dem vorderen Teil der sich zuspitzenden Bergnase. Als Sicherung gegen das nach hinten sich verbreiternde und flache Gelände gab es eine Steinmauer und vorgelagert einen breiten und tiefen Graben. Der anschließende obere Burghof war vorwiegend für Wirtschaftszwecke bestimmt, durch ihn führte der Zugang von draußen in den inneren Bereich der Burg, er war durch einen hohen Turm und sicherlich durch eine weitere Mauer mit Graben nach außen abgesichert. Da dieser Turm an der höchsten Stelle des Geländes stand, hatte man sogar Sichtverbindung mit Bamberg. Ludwig von Rotenhan erbaute im unteren Burghof einen kleineren Turm sowie zusätzliche Gebäude, verstarb jedoch schon bald, ohne daß er die Burg als Sitz seiner Nachkommen rechtlich hatte absichern können.

 

Was eigentlich durch den Geldmangel des Bischofs nicht zu erwarten war, trat jedoch nach acht Jahren ein. Im Jahr 1258 forderte der neue Bischof von Bamberg, Bertold von Leiningen, die verpfändete Burg von den Söhnen des Ludwig von Rotenhan wieder zurück. Er zahlte ihnen 200 Mark in Silber für "die Burg und ihre Zugehörungen" sowie für die von ihrem Vater "in der Burg aufgeführten Gebäude" noch weitere 50 Mark. Der Bischof übernahm durch eigene Leute sofort den oberen Burghof und auch den Turm im unteren Burghof. Die bisherigen Herren von Rotenhan erhielten im unteren Burghof noch für vier Jahre das Wohnrecht, "bis sie auf den von ihm angewiesenen Baustellen entsprechende Gebäude aufgeführet haben...".

 

Aus bischöflichen Rechnungs- und Lehensunterlagen über die damalige Burg Zeil geht ziemlich genau hervor, welche Gebäude die Burg insgesamt besaß und wieviele Männer als Soldaten bzw Wachpersonal im Einsatz waren. Es gab zwei Türme, eine Burgkapelle mit einem Turm, eine Kemenate (Ritterwohnhaus) und zwei Wohnhäuser für Personal und Wachmannschaft. Die Nebengebäude und Stallungen für das Vieh sind zwar nicht erwähnt, waren aber sicher vorhanden. Außer einem adeligen Burgverwalter mit seiner Familie und dessen Dienstboten gab es noch neun Mann an Besatzung, deren Anzahl aber in Kriegszeiten sicherlich kurzfristig erhöht wurde. Aus Unterlagen von 1348 ist bekannt, daß etliche Herren des niederen Adels aus der Umgebung zum Beistand in Zeiten der Gefahr verpflichtet waren, so der alte Ritter Flieger zu Bischofsheim, Johann Lantmann, Friedrich Flieger der Jung, Johann Greuzzing, Wolfram Puntzendorffer, Engelhard von Neubrunn, Heinrich und Conrad von Thuenefeld u. a.

 

Die zur Burg gehörige kleine Kapelle war in die Wehranlage integriert und hatte direkte Verbindung zu einem Turm, der mit Wächtern besetzt war. Sicherlich kam mehrmals im Jahr ein Geistlicher von der Urpfarrei Eltmann zu Pferd auf den Berg, um der Burgbesatzung zur Erfüllung ihrer

 

Christenpflichten dienlich zu sein. Als dann Zeil im 15. Jahrhundert eigenständige Pfarrei wurde, übernahm wahrscheinlich der hiesige Priester diese Aufgabe. Es ist als ziemlich sicher auszuschließen, daß die Burgkapelle mit einer frühzeitlichen Wallfahrt in Verbindung zu bringen ist.

 

Weitere Nachrichten über die Burg Zeil gibt es bisher nur in größeren Zeitabständen. So ist aus dem Jahr 1422 bekannt, daß der Ritter Eberhard Fuchs von Bimbach, der im nahen Dörflein Bischofsheim mit seinen damals 12 Häusern und einer Mühle als Lehensmann des Bischofs saß, auch mit dem "Burggut zu Zeil auf dem sloß gelegen" belehnt war.

 

Im Jahr 1452 war zusammen mit dem Amt und der Stadt Zeil auch das Schloß auf dem Berg dem Grafen Georg von Leonstein vom Bamberger Bischof als Leibgedinge (=Lebensgrundlage) angewiesen worden. Es ist anzunehmen, daß zu dieser Zeit die für Zeil zuständigen bischöflichen Beamten oben auf der Burg wohnten und residierten.

 

Wie lange indessen diese weithin sichtbare Burg, die ein deutliches Zeichen der Macht des Bamberger Bischofs über seinen Herrschaftsbereich mitten im Würzburger Gebiet war, weiter existierte und dann plötzlich vollkommen verschwand, konnte bisher nicht aufgeklärt werden. Als im Bauernkrieg 1525 viele umliegende Burgen und Adelssitze geplündert und niedergebrannt wurden, gab es die Burg Zeil schon nicht mehr, denn sie wurde in keiner Schadensauflistung genannt oder auch nur erwähnt. Auch im sog. Markgrafenkrieg 1552/54 wurden viele Besitzungen des Hochstifts Bamberg gebrandschatzt, über die Burg Zeil fand sich keinerlei Hinweis mehr. Nach mündlicher Überlieferung sollen die Steine dieser Burg abgebrochen und unter in der Stadt zum Bau des fürstbischöflichen Kastenhofes und später umgebauten Stadtschloßes (jetzt Finanzamt) verwendet worden sein.

 

Als im Jahre 1598 der Geometer Peter Zweidler im Auftrag des Bamberger Bischofs eine Landkarte über das hiesige Gebiet anfertigte, war der Burgberg mit geschlossenem Waldbewuchs dargestellt, von Mauerresten oder einer Ruine war nichts zu sehen. Einziger Hinweis auf die Existenz dieser Burganlage auf dem Berg ist heutzutage die Flurbezeichnung "Altenburg" oder "Altenbürg".

 

Bei Bauarbeiten auf dem Kapellenberg stieß man in den letzten Jahren unter der Erde immer wieder auf erhaltene Zeugnisse der Gebäude aus früherer Zeit. So wurde 1954 beim Bau des Wasserbehälters hinter dem Freialtar das massive Fundament eines Rundturms mit ca. 90 cm Dicke und etwa 5 Meter Innendurchmesser gefunden, der im oberen Burghof stand. Im Jahre 1964 wurde die Gastwirtschaft auf dem Kapellenberg durch einen Anbau verlängert und bei den Erdarbeiten wurde ein erhaltenes Kellergewölbe entdeckt. Auch bei den in jüngster Zeit durchgeführten Sanierungsarbeiten des Außenbereiches im Zuge der Käppelesrenovierung fanden sich wiederum Mauerreste von alten Fundamenten beim Kirchenvorplatz.

 

Als sich vor Jahrzehnten Hermann Mauer intensiv mit der Erforschung dieser Burg Zeil befaßte, zeichnete er anhand der urkundlichen Beschreibungen einen Grundrißplan der Anlage. Alle Fundstellen der letzten Jahre stimmten mit der angenommenen Lage der verschiedenen Gebäude überein.

 

 

3. Der Berg als Ziel religiöser Wallfahrten "zum heiligen Creütz" und zur Maria-Hilf-Kapelle.

 

 

In der "Chronik der Pfarrei Zeil", die seit der letzten Pfarrhausrenovierung im Jahr 1974 verschwunden und möglicherweise mit den damals abgegebenen Archivalien im Diözesanarchiv Würzburg deponiert ist, wurden Aufzeichnungen über den Kapellenberg ab 1716 und den Bau der ersten Kapelle durch den Zeiler Ratsherrn und Steuereinnehmer Johann Wernhammer im Jahre 1727 erwähnt. Diese Jahreszahlen lassen sich jedoch aufgrund der unbekannten Quellenangaben nicht nachprüfen.

 

Bei einer in jüngster Zeit erfolgten intensiven Durchsicht der ältesten hiesigen Gotteshausrechnungen ab 1701 zeigte sich, daß der erste Zielpunkt auf den Zeiler Berg eine Wallfahrt "zum heiligen Creütz auf der altenbürg" oder "zum heiligen Creütz Particul auf der altenbürg " war. Der Beginn dieser Zeiler "Heilig-Kreuz-Wallfahrt" könnte etwa 1716 gewesen sein.

 

Auch ohne derzeit genaues Wissen um den konkreten Anlaß ist denkbar, daß durch die Pfarrei Zeil auf dem markanten Berg als weithin sichtbares religiöses Zeichen ein Holzkreuz errichtet wurde. Ähnlich geschah es auch auf dem Kreuzberg in der Rhön in frühchristlicher Zeit, ohne daß ein Kirchlein oder ein wundertätiges Geschehen als Auslöser vorhanden waren.

 

Offenbar nahm auch in Zeil der Zustrom zu diesem "Heiligen Creütz auf der Altenbürg" durch Beter und Wallfahrer von Jahr zu Jahr zu. Da zu einem Wallfahrtsort sowohl das Gebet als auch das Opfer gehört, ließ die Pfarrei Zeil im Jahr 1723 an dem von ihr errichteten Holzkreuz auf dem Berg einen Opferstock anbringen. In der Gotteshausrechnung (=Kirchenrechnung) 1723/24 ist unter den allgemeinen Ausgaben verbucht, daß der ortsansässigen Schlossermeister (er hieß Jacob Derleth) den Geldbetrag von 4 Pfund 6 Pfennig bezahlt bekam, um einen Opferstock "ahn daß Creütz auf der alten bürg Zu machen".

 

Bereits im nachfolgenden Jahr 1724 verbuchte die Kirchenverwaltung als Einnahme an Geld aus diesem Opferstock die ungewöhnlich hohe Summe von 6 Gulden 6 Pfund 21 Pfennig mit dem Hinweis, sind "Zum heiligen Creütz particul auf der altenbürg geopfert worden".

 

Setzt man diese erste Spendeneinnahme von 1724 aus dem Opferstock am Kreuz auf dem Berg mit über 6 Gulden in Relation zu der Gesamteinnahme der Pfarrei unten in der St. Michaelskirche, die im gleichen Jahr rund 37 Gulden betrug, so läßt sich daraus zweierlei ableiten. Entweder waren die Wallfahrer auf dem Berg ungemein großzügig mit ihren Spenden oder die Zahl der Pilger war schon so angewachsen, daß mit vielen kleinen Spenden die verhältnismäßig große Summe von über 6 Gulden zusammenkam.

 

Man darf wohl zurecht annehmen, daß in Zeil und seinem Umland die Wohlhabenden und die großherzigen Spender damals auch dünn gesät waren und deshalb die zweite Möglichkeit wahrscheinlicher ist. Ein Gulden galt 60 Kreuzer und ein Steinhauermeister verdiente um diese Zeit 20 bis 24 Kreuzer je Tag, sein Geselle kam auf 18 Kreuzer und sie waren im Ort die Spitzenverdiener durch ihre begehrte Handarbeit. Andere Handwerksberufe vedienten wesentlich weniger und Taglöhner erhielten gar nur 10 bis 12 Kreuzer je Tag, das waren damals gerade 30 bis 36 Pfennig. Beim Metzger kostete ein Pfund Rindfleisch 10 bis 12 Pfennige und ein Pfund Schweinefleisch oder Wurst 16 Pfennige. Somit ist zum einen klar, daß bei der einfachen Bevölkerung nur an außergewöhnlichen Feiertagen im Jahr Fleisch auf den Tisch kam und zum anderen ein üppiger Lebensstil und großzügige Spenden gar nicht möglich waren.

 

Rechnet man die Summe von über 6 Gulden aus dem Opferstock in die damals kleinste Geldeinheit um, so ergeben sich rund 1200 Pfennige. Angenommen, jeder Wallfahrer hat auf dem Berg zwei Pfennige geopfert, so ergäbe dies eine Personenzahl von 600 Spendern. Bei Ehepaaren hat sicher nur der Mann als Verdiener gespendet und die Frau nicht, dann könnten es auch 1200 Personen gewesen sein, die aus Zeil und den umliegenden Orten in der sommerlichen Jahreszeit zum Kreuz auf dem Berg gekommen sind. Nimmt man noch die Tatsache dazu, daß zu jener Zeit viele Menschen so arm waren, daß es gerade zum Lebensunterhalt reichte und sie deshalb garnichts spenden konnten, so dürfte die Gesamtzahl der Pilger wohl noch um einiges höher angesetzt werden.

 

Doch egal ob es nun 600 oder 1200 oder 1500 oder noch mehr Menschen waren, nur durch die Vielzahl der kleinen Opfergaben ist die hohe Spendensumme bereits im ersten Jahr zu erklären. Die sichtbar eingeworfenen Geldspenden führten dazu, daß im selben Jahr 1724 der vom Schlosser Jacob Derleth am Kreuz angebrachte Opferstock auch einmal aufgebrochen wurde. In der Kirchenrechnung sind als Ausgabe 25 Pfennige verbucht, "dem schlosser Vom opferstokh am Creütz auf der altenbürg, so erbrochen gewesen zu repariren".

 

In den folgenden Jahren 1725 bis 1727 bewegte sich die Höhe der Spenden im Opferstock auf dem Berg zwischen 4 und 5 Gulden und läßt den Schluß zu, daß weiterhin viele Menschen "zum Heiligen Creütz auf der altenbürg" kamen.

 

Wie in der verschollenen "Chronik der Pfarrei Zeil" erwähnt, errichtete dann im Jahr 1727 der fürstbischöflich-bambergische Steuereinnehmer und Bürgermeister Johann Wernhammer aus eigenen Mitteln oben auf dem Berg eine kleine Kapelle mit einem Maria-Hilf-Bild, einer Kopie des berühmten Bildes von Lucas Cranach. Nach vielen familiären Schicksalsschlägen und nachfolgenden glücklicheren Lebensumständen reifte in ihm wahrscheinlich der Entschluß, zum Dank diese Kapelle oben ganz in der Nähe des "Heiligen Kreuzes" erbauen zu lassen, wohin ja schon viele Menschen zu Gebet und Opfer kamen. Dieser erste Bau war eine kleine Privatkapelle von ca. 10 m Länge und etwa 5 m Breite. Sie hatte inwendig keinen Altar für eine Meßfeier und es ist unbekannt, ob sie eine kirchliche Weihe erhalten hatte. Alles was durch den Bau an Kosten und Unterhalt anfiel, bezahlte offensichtlich Johann Wernhammer zu seinen Lebzeiten, denn in den Jahresrechnungen der Kirchenverwaltung gibt es keinerlei Geldausgaben, aber auch keine Geldeinnahmen, die im Zusammenhang mit der Kapelle zu sehen wären.

 

Die weiterhin ankommenden Wallfahrer fanden nun auf dem Berg zwei Stätten zu Gebet und Andacht vor, das Heilig-Kreuz und die kleine Kapelle mit dem Maria-Hilf-Bild.

 

In den Rechnungen der Zeiler Kirchenverwaltung finden sich weiterhin Jahr für Jahr nur Einnahmen aus dem Opferstock am Kreuz, die jedoch ab 1730 stark rückläufig waren. Der Grund dafür könnte gewesen sein, daß das von 1713 bis 1715 erbaute größere Kirchenschiff der Pfarrkirche St. Michael immer noch keine fertige Innenausstattung besaß und die Spenden der Kirchgänger deshalb für diesen Zweck gegeben wurden. Im Jahr 1732 konnte schließlich die erweiterte Pfarrkirche offiziell eingeweiht werden.

 

Im nahen Städtchen Königsberg, welches unter sächsischer Herrschaft stand, gab es an der evangelischen Stadtpfarrkirche einen Geistlichen mit Namen Johann Werner Krauss, welcher alle geschichtlich interessanten Dinge aufschrieb, die in Königsberg und Umgebung zu erfahren waren. Dieser Zeitzeuge verfaßte im Jahr 1732 eine Landschaftsbeschreibung unserer Gegend und erwähnte darin auch "das alte Bergs-Schloß zu Zeyl am Main". Er schrieb dazu, "...von dessen Ruderibus (=Gestein) der Casten-Hof allda in älteren Zeiten erbauet worden ist. Jetzt steht ein Oratorium (=Betsaal, Kapelle) auf dem Platz...".

 

In der Jahresrechnung von 1740 erscheinen erstmals auch Einnahmen aus Klingelbeutelsammlungen in der kleinen Kapelle. Es ist verzeichnet an Opfergeld einmal 3 Pfund 11 Pfennig "auff der Altenbürg", welches offensichtlich aus dem Opferstock am Kreuz stammte sowie nochmals 1 Gulden 4 Pfund 7 Pfennig mit dem Hinweis "Zwey Jahr hindurch auf der alten bürg in das Klingelsäckhlein gefallen".

 

Im Jahre 1744 ist bei den eingenommenen Opfergeldern der Pfarrei ausdrücklich vermerkt, daß "Vor dem heil. Creütz particul....." nichts eingenommen wurde.

 

Am Karfreitag des Jahres 1748 gab es in einer Zeiler Familie einen lautstarken Streit. Die Ehefrau Margaretha wünschte, daß ihr Mann, der Schreinermeister Paul Pfaff, ebenfalls mit zur "Proceßion auf die Capellen auf der altenbürg" gehen sollte. Dieser weigerte sich aber mitzugehen , beschimpfte die Kapelle mit allerhand derben Ausdrücken und nannte sie "ja doch nur ein büttels cäpelein". Da die Hausmitbewohner und Nachbarn alle wegen der Lautstärke der Auseinandersetzung zuhören konnten, wurde der Vorgang später beim Zeiler Rat bekannt. Der Schreinermeister mußte vor den Herren Rede und Antwort stehen und alles wurde in einem amtlichen Protokoll niedergeschrieben.

 

Im Juli 1748 wurde dem Zeiler Bürgermeisteramt ein Schreiben von einem Einsiedler aus Fünfkirchen in Ungarn übermittelt. Dieser hieß Joachim Dresel und bat um die Erlaubnis, "daß er auff der alten bürg neben dem Mariae Capellein eine Eremitasch erbauen darffe". Die Zeiler Ratsherren entschieden, zuerst die Meinung des fürstbischöflichen Oberamtmannes, dann die der Zeiler Bürgerschaft und der zugehörigen Amtsdörfer anzuhören. Erst darnach sollte eine Entscheidung getroffen und das Ergebnis dem Antragsteller mitgeteilt werden. Da weder in den Ratsakten darüber nochmals berichtet noch eine Einsiedelei erbaut wurde, darf angenommen werden, daß die Anfrage aus Ungarn abschlägig beschieden wurde.

 

Johann Wernhammer, der Erbauer der ersten kleinen "Maria-Hilf-Kapelle" auf dem Berg verstarb im September 1748 als Senior des Ratsgremiums im hohen Alter von ca. 83 Jahren. Er hinterließ Frau und Kinder, welche wahrscheinlich weiterhin für die Unterhaltungskosten des Kirchleins aufkamen. Die Ehefrau Anna Maria Wernhammer verstarb schließlich am 20.09.1757 im Alter von ungefähr 63 Jahren.

 

Ständig fortlaufende Kirchenrechnungen sind aus dieser Zeit nicht mehr vorhanden, doch von 1752 bis 1763 wurden die Opfergelder vom Berg immer mit dem Hinweis versehen "aus der Capellen auf der altenbürg".

 

Im Jahr 1763 muß das fast 50 Jahre alte Holzkreuz auf dem Berg schadhaft und erneuerungsbedürftig gewesen sein. Die notwendigen Reparaturarbeiten wurden durch die Kirchenverwaltung veranlaßt und ausgeführt. Nach der Kirchenrechnung 1763/64 sind hinterher "ahn 1762er Wein 13 maas Verzehret worden da das Creütz auf der altenbürg aufgerichtet worden". Eine "maas" entsprach etwa der heutigen Menge von 1 1/4 Liter.

 

In den Jahren 1767 und 1768 wurden die Geldeinnahmen vom Berg getrennt notiert, es heißt " bey dem Creütz aufn berg" und "in der Capellen allda". Die Höhe der Spenden war inzwischen stark zurückgegangen und betrug nur noch etwa einen halben Gulden.

 

Erstmals in der Jahresrechnung von 1780 erscheint eine Geldausgabe der Pfarrei St. Michael für die Maria-Hilf-Kapelle auf dem Berg. Unter dem Titel an Geldausgaben für Bau- und Besserungskosten des hiesigen Gotteshauses bekam der Zeiler Bürger Jörg Agricola einen Gulden bezahlt für seine ausgeführte Arbeit, "die Capellen auf der altenburg zu winden". Gleichzeitig sind auch noch 6 1/2 Kreuzer für Nägel ausgegeben worden. Aus diesem Eintrag geht hervor, daß Jörg Agricola im Auftrag der Kirchenverwaltung an dem auf dem Berg freistehenden und vor der Witterung ungeschützten Kirchlein Reparaturarbeiten ausgeführt hatte, um bauliche Schäden zu beseitigen.

 

Die angegebene Arbeit "winden" ist gleichzusetzen mit "flechten" und besagt indirekt, daß das erste Kirchlein ganz oder teilweise in Holzfachwerkbauweise errichtet war. In die Felder des Fachwerks wurden aufrecht stehenden Hölzer genagelt, durch die Hölzer wurden Ruten oder Weiden geflochten, dann mit Lehm verschmiert und zum Schluß verputzt.

 

Jörg Agricola hatte sicherlich mehrere Fachwerkfelder mit neuem Geflecht auszubessern, die dem Wetter besonders ausgesetzt und dadurch entsprechend schadhaft waren.

 

Schon lange hatten mehrere Nachkommen von Johann Wernhammer geheiratet und waren weggezogen, nur noch eine unverheiratete und inzwischen betagte Tochter lebte in Zeil und so stand es mit dem baulichen Unterhalt der Kapelle offensichtlich nicht mehr zum besten.

 

Von 1776 bis 1790 sind auch keinerlei Spendeneinnahmen mehr verbucht. Erst in der Kirchenrechnung von 1791 sind nochmals als Geldeinnahme "14 Kreuzer auf dem Marien Hilfberg" vermerkt.

 

Da von 1801 bis 1809 ganz allgemein die Opfergelder in der Pfarrei rückläufig waren und wiederum jegliche Hinweise auf Spenden vom "Maria-Hilf-Berg" fehlen, kann davon ausgegangen werden, daß auch der Zustrom der Wallfahrer stark zurückgegangen war. Im Jahre 1810 ist in der Gesamteinnahme der Pfarrei aus den kirchlichen Opferstöcken neben der Pfarrkirche und der Kreuzkapelle auch noch ein letztesmal das Kreuz auf dem Berg aufgeführt, welches somit nach fast 100 Jahren immer noch vorhanden war. In den Folgejahren 1811 bbis 1817/18, wo dann auch die alten Kirchenrechnungen enden, fehlt wiederum jeder Hinweis auf Spenden vom Berg und es war sicherlich ein Tiefpunkt im hiesigen Wallfahrerwesen erreicht.

 

 

4. Der Übergang von der Maria-Hilf -Kapelle zum Marienheiligtum mit Lourdesgrotte.

 

 

Der zuletzt festgestellte Tiefpunkt im hiesigen Wallfahrterwesen kam nicht von ungefähr. Im Jahre 1803 wurden durch die Säkularisation neben anderen auch den beiden fränkischen Fürstbistümern Bamberg und Würzburg ihre weltlichen Rechte durch Kurfürst Max Joseph von Bayern genommen. Er hatte seinen Besitz auf dem linken Rheinufer in der Pfalz an Napoleon verloren und durfte sich dafür in den fränkischen Gebieten rechts des Rheins schadlos halten. Anstatt einer in Franken erwarteten Gleichberechtigung in einem neuen größeren Bayern mit dem früheren Bundesgenossen erlebte man das Gebaren einer Besatzungsmacht. Fränkische Städte wurden durch das bayerische Militär besetzt und der wertvollste Besitz sowie das Inventar von Kirchen und Klöstern wurde versteigert und verschleudert. Der neue Staat und seine Beamtenschaft, mit fränkischer Mentalität nicht vertraut, griff rücksichtslos und anmaßend nach jedem Wert, um ihn zu Geld zu machen.

 

Die neuen Herren standen auch alten kirchlichen Bräuchen im Frankenland feindlich gegenüber. In einem Regierungsblatt von 1804 wurden alle Wallfahrten, Bittgänge und Prozessionen verboten. Sie wurden als Spaziergang anstatt Arbeit angesehen, sie seien nichts anderes als Müßiggang und Ausschweifung. Diese und andere Verordnungen führten zu großem Unmut in der Bevölkerung.

 

Nach etwa 20 Jahren, in denen man Zeit und Gelegenheit hatte, sich aneinander zu gewöhnen und den jeweils anderen auch gelten zu lassen, war zwischen den neuen Herren und dem fränkischen Volk eine gewisse Beruhigung eingetreten.

 

Auch die Pfarrherren wagten es wieder, das wallfahrtsfreudige Frankenvolk zu Prozessionen und Bittgängen aufzurufen. So mag es wohl auch in Zeil wieder mit den Wallfahrten von kleinen Gruppen und Einzelpersonen auf den Maria-Hilf-Berg aufwärts gegangen sein. Nach Zeiler Überlieferungen und Beurkundungen war die kleine Kapelle inzwischen auf andere Besitzer übergangen. Nach der Familie Wernhammer werden noch Johann Bäuerlein und Georg Schäder als Eigentümer genannt. Bei einer Überprüfung konnte festgestellt werden, daß zwischen den Familien Wernhammer, Bäuerlein und Schäder keine verwandschaftliche Verbindungen erkennbarsind und somit wahrscheinlich der Besitzerwechsel im Zusammenhang mit Kauf oder Tausch von Grundstücken erfolgte.

 

Im Jahr 1862 kam als neuer Stadtpfarrer Michael Ebert nach Zeil. Er kümmerte sich schon bald um die inzwischen als baufällig beschriebene Maria-Hilf-Kapelle und veranlaßte eine bauliche Sicherung und Restaurierung. Hauptsächlich aus Spendengeldern ließ dann Pfarrer Ebert 1864 neben der Kapelle eine Kreuzigungsgruppe aus Zeiler Sandstein errichten, welche dort bis heute erhalten ist. Das "Heilig-Kreuz" aus Holz war zu dieser Zeit offensichtlich nicht mehr vorhanden.

 

Als im Jahre 1866 die Fronten des Bruderkrieges zwischen Preussen einerseits und Österreich mit seinen bayerischen Verbündeten andererseits nicht allzu weit entfernt von unserer Gegend verliefen, waren auch Zeiler Soldaten im Einsatz. Damals gelobte man im Städtchen, wenn kein preußischer Soldat im Zusammenhang mit Kampfhandlungen nach Zeil käme, wolle man auf dem First der Maria-Hilf-Kapelle eine lebensgroße Statue der Gottesmutter aufstellen.

 

Der Krieg ging zu Ende, kein preußischer Soldat hatte Zeil betreten und ohne Zögern wurde das gegebene Versprechen eingehalten. Die Giebelwand der kleinen Kapelle wurde entsprechend verstärkt und bereits im September 1867, nach erfolgter Weihe durch Stadtpfarrer Ebert, wurde die Muttergottesstatue aus Stein dort oben aufgestellt. Der Zustrom von danksagenden Pilgern auf den Berg stieg an.

 

Schon bald gab es erneut einen Kriegsfeldzug, 1870/71 gegen Frankreich, und wieder mußten Zeiler Soldaten zum Kriegsdienst einrücken. Die Bürger von Zeil erinnerten sich wieder an ihr Versprechen von 1866 und alle hiesigen Soldaten stiegen vor ihrem Abschied aus der Heimat mit ihren Angehörigen auf den Berg, um sich ihrer Schutzpatronin zu weihen. Beim Abschied am Bahnhof sprach Pfarrer Michael Ebert zu den Soldaten "..... und wenn ihr im ärgsten Kugelregen draußen steht, denkt nur immer an euer Käppele! Die Gottesmutter blickt über die höchsten Berge hinweg und sieht euch immer und wird euch beschützen bis zur Heimkehr....".

 

Aus diesem Feldzug 1870/71 kamen alle Zeiler Soldaten bis auf einen heil zurück in ihre Heimat. Im Jahr 1873 feierten die Heimkehrer auf dem Berg ein Dankfest und beschlossen, die auf dem Giebel stehende Madonnenstatue auf ihre Kosten vergolden zu lassen. Nun kamen vor allem ehemalige Kriegsteilnehmer zum Dank auf den Berg zur "Zeiler Muttergottes".

 

Nach einigen Jahren bemühte man sich um die Aufstellung von Kreuzwegstationen entlang des steilen Fußwegs zur kleinen Maria-Hilf-Kapelle. Der Zeiler Bürger Nikolaus Steininger warb sehr intensiv für dieses Vorhaben und fand 1874 bis 1879 Familien und Einzelpersonen , welche die Kosten für je eine Kreuzwegstation übernahmen. Im Jahre 1880 fand die feierliche Einweihung durch den Würzburger Diözesanbischof Franz Josef Freiherr von Stein statt. Bereits im Jahr 1879 war als neuer Stadtpfarrer Andreas Stier in Zeil eingezogen, der bei der Einweihung assistierte. Der neue Kreuzweg trug zu einem weiteren Ansteigen der einheimischen und auswärtigen Beter und Pilger bei.

 

Am 4.Oktober 1882 kam der in Amorbach geborene Priester Karl Link als nächster Stadtpfarrer nach Zeil. Bereits am darauffolgenden Tag stieg er auf den Berg um die Kapelle zu besuchen.Er hatte bei einer vorherigen Wallfahrt nach Lourdes dort der Gottesmutter versprochen, ihre Verehrung in der ersten Pfarrei, welche ihm vom Würzburger Bischof zugewiesen würde, besonders zu fördern. Während er sich anläßlich der Wallfahrt in Frankreich aufhielt, wurde er zum Pfarrer von Zeil ernannt. Als er dann erstmals die Maria-Hilf-Kapelle sah, war er von ihrer Lage auf dem Berg sehr beeindruckt und faßte den Plan, an dieser Stelle ein "fränkisches Lourdes" zu schaffen. Im Jahr 1883 war Pfarrer Karl Link als Führer des ersten bayerischen Pilgerzuges erneut in Lourdes, wobei sich seine schon vorhandenen Eindrücke von dem Wallfahrts- und Gnadenort noch vertieften. Auf der Reise sah er auch viele französischen Kirchen in ihrem typischen Baustil, die ihn offensichtlich sehr beeindruckten.

 

Sofort nach der Rückkehr aus Lourdes begann er, für die Erneuerung der Maria-Hilf-Kapelle zu sammeln, die sich zu dieser Zeit im Eigentum von Georg Schäder befand, der als Bierbrauer der Besitzer der "Alten Freyung" war. Dieser hatte offensichtlich gegen die Pläne von Pfarrer Link nichts einzuwenden und als innerhalb einiger Monate das notwendige Geld vorhanden war, wurden schadhafte Stellen am Gebäude ausgebessert, die Kapelle neu verputzt und eine Grotte aus schillernden Erzschlacken eingebaut. Die Einweihung der erneuerten Kapelle erfolgte im Juni 1883 und in feierlicher Prozession wurde ein Standbild der Lourdesmadonna von der Stadtpfarrkirche auf den Berg getragen und in der Grotte des Innenraums eingefügt. Durch diese Aktivitäten von Pfarrer Karl Link ließen sich viele Menschen begeistern und der Zustrom von Wallfahrern nahm stetig zu.

 

Der Kapellenbesitzer Georg Schäder nahm kurz vor seinem Tod seinem Schwiegersohn Georg Weinig, ebenfalls von Beruf ein Bierbrauermeister, das Versprechen ab, immer für die Erhaltung dieser Maria-Hilf-Kapelle zu sorgen. Auf dem Erbweg wurde dann über seine Ehefrau, eine geborene Schäder, Georg Weinig der nächste Besitzer der Kapelle. Ein entsprechender Abtretungsvertrag über die beiden Grundstücksnummern 814 und 815, in deren Bereich die Kapelle stand, wurde im April 1884 im Notariat Eltmann abgeschlossen.

 

Der neue Besitzer Georg Weinig ließ sich ebenfalls von der Begeisterung seines Stadtpfarrers für den aufstrebenden Wallfahrtsort anstecken und ließ auf seine Kosten an die innen umgestaltete Kapelle noch im Jahr 1884 außen in östlicher Richtung einen neuen Turm anbauen. Der schon bei der Beschaffung der Kreuzwegstationen genannte Förderer und Marienverehrer Nikolaus Steininger stiftete für den neuen Turm zwei Glocken. Die Glockenweihe durch Stadtpfarrer Link war am Sonntag, den 17. August 1884, die größere der beiden Glocken wog einen Zentner und wurde Maria-Hilf-Glocke genannt, die kleinere wog 60 Pfund und erhielt den Namen Maria-Lourdes-Glocke. Mit Stolz und Freude hörten die Zeiler und viele Bewohner der umliegenden Orte im Maintal nun dreimal täglich den Gruß der neuen Glocken.

 

 

5. Neubau der jetzigen Wallfahrtskirche.

 

 

Der Zeiler Stadtpfarrer Karl Link war zwischenzeitlich zum Dekan des Landkapitels Haßfurt ernannt und konnte erfreut feststellen, daß seit den baulichen Veränderungen an der nach wie vor kleinen Kapelle von 1727 der Besucherzustrom stetig anwuchs. Jeden Sonntag kamen Scharen von Pilgern um zu beten und den Predigten des großen Marienverehrers und Dekans Karl Link zu lauschen. Der Prediger konnte seine Zuhörer so in ihrem Innersten bewegen, daß diese oftmals, wie man sich später noch lange erzählte, zu Tränen gerührt waren.

 

Nach Aufzeichnungen in der Zeiler Pfarrchronik kamen damals jährlich 8 000 bis 10 000 Menschen auf den Berg und das Kirchlein war diesem Ansturm in keiner Weise gewachsen. Als Dekan Link diese räumliche Enge für die vielen Besucher sah und miterlebte, faßte er den Entschluß, einen Kirchenneubau nach dem Vorbild einer französischen Kathedrale zu erstellen. Der Würzburger Bischof Franz Josef Freiherr von Stein gab dazu seine Einwilligung und entband den Brauereibesitzer und Eigentümer Georg Weinig von seinem dem Schwiegervater gegebenen Versprechen, immer für die Erhaltung der Maria-Hilf-Kapelle zu sorgen. Diese mußte ja einem geplanten größeren Kirchenneubau weichen und abgetragen werden.

 

Da zu einem sofortigen Baubeginn noch die notwendigen Geldmittel fehlten, mußte noch einige Jahre gewartet werden. Doch man war nicht untätig, denn 1886 wurde der Fußweg durch den Wald auf den Berg verbreitert und 1887 der Fahrweg über Schmachtenberg bis zur Kapelle ausgebaut. Beide Maßnahmen wurden unter freiwilliger Mithilfe der Einwohner von Zeil und Schmachtenberg durchgeführt und sollten sich später bei der Erstellung der neuen Wallfahrtskirche als äußerst nützlich erweisen.

 

Zwischenzeitlich durchgeführte Geldsammlungen zugunsten des Kirchenneubaus sowohl in Zeil als auch im ganzen Umkreis und bei Zeiler Auswanderern in Übersee erbrachten reiche Gaben und auch Schenkungen von Grundstücken. Am 31. Mai 1888 wurde schließlich von 64 Zeiler Bürgern ein Kapellenbauverein gegründet, 1. Vorsitzender war Stadtpfarrer Karl Link und 2. Vorsitzender der Bürgermeister Franz Burger. Zweck des Vereins war die Aufbringung der notwendigen Geldmittel zum Bau einer neuen Wallfahrtskapelle sowie die Leitung und Durchführung des Neubaus. Jeder Katholik der Pfarrei Zeil konnte als Mitglied dem Verein beitreten. Die Mittel zum Bau sollten durch Beiträge (mindestens 10 Pfennige monatlich), Legate und Schenkungen aufgebracht werden.

 

Man beauftragte im Jahre 1889 den damaligen Bauamtsassessor Dorner aus Schweinfurt, einen Plan für die neue Kapelle in neuromanischem Stil mit zwei Türmen anzufertigen. Sicherlich konnte bei den Vorgesprächen für die Planerstellung Stadtpfarrer Link seine Eindrücke von den in Frankreich gesehen Kirchen und Kathedralen vortragen und entscheidend mit einbringen.

 

Der Grundstückserwerb für den Bauplatz ging auch problemlos vonstatten. Die Grundstücksnummer 815 mit der Maria-Hilf-Kapelle wurde 1890 unendgeltlich von Georg Weinig an die Stadtgemeinde Zeil abgetreten und von dieser um die Grundstücksnummer 814 1/3 zum Bauplatz der Kirche mit Kirchplatz erweitert.

 

Im Jahr 1893 wurden der Bauplan und die Kostenvoranschläge der königlich-bayerischen Regierung zur Genehmigung vorgelegt, diese wurde im März 1894 erteilt. Der in der Zwischenzeit nach Amberg versetzte und befördert Bauamtmann Dorner mußte nochmals einen endgültigen Kostenvoranschlag für den Gesamtbau vorlegen. Die Endsumme des nachgereichten Vorschlags belief sich auf 23 132 Mark. Außerdem mußten sich alle Mitglieder des Kapellenbauvereins mit Unterschrift verpflichten, für sämtliche Erdarbeiten, Fuhrleistungen und Hilfsarbeiten aufzukommen.

 

Im April 1894 wurde die von Johann Wernhammer 1727 erbaute Maria-Hilf-Kapelle samt dem 1884 angebauten Turm abgebrochen und am Pfingstmontag, den 14. Mai im Jahr 1894 legte Dekan Link den Grundstein für die heutige Bergkapelle. Zu dieser Feier waren mehrere Tausend Pilger gekommen und in der Pfarrchronik ist über den Dekan und die Grundsteinlegung vermerkt "Wer ihn bei dieser Feier sah und seine Festpredigt hörte, konnte erwägen, was im Herzen dieses großen Marienverehrers vor sich ging....".

 

Nun begannen die Arbeiten der ausführenden Firmen mit Hochdruck und unter freiwilliger Mithilfe der Bürgerschaft. Wie stark sich damals die Bewohner von Zeil sowie auch von Schmachtenberg und Ziegelanger persönlich engagierten, kann in der Zeiler Stadtchronik (Band I) und auch in der diesjährigen Jubiläumsfestschrift in Einzelheiten nachgelesen werden. Jedenfalls fand im Oktober 1894 nach Aufstellung der Dachgebälks das Richtfest statt und im November 1894 war der steinerne Rohbau der neuen Kapelle unter Dach und Fach.

 

Nach Aussage des Zeiler Steinmetzmeisters Andreas Brecht, dessen Großvater Johann Brecht als junger Geselle bei den Bauarbeiten auf dem Kapellenberg beschäftigt war, ist der zügige Ablauf bei der Erstellung des Neubaus im Jahre 1894 auf eine außergewöhnliche Tatsache zurückzuführen. Die für die neue Kirche benötigten Mauersteine aus sog. weißen Mainsandstein konnten aus Steinbrüchen auf dem Berg in nächster Nähe der Baustelle gebrochen, angefahren und zugerichtet werden. Somit entfielen lange und zeitraubende Transportwege, was sich äußerst günstig auf den ganzen Baufortgang auswirkte.

 

Lediglich die für die Ornament- und Zierarbeiten notwendigen Werkstücke aus Zeiler Schilfsandstein wurden aus Steinbrüchen am Fuße des Kapellenbergs gebrochen und auf Wegen über Schmachtenberg auf den Berg gefahren. Alle Tür- und Fensterumrahmungen, die Säulen im Eingangs- und Fensterbereich und die große Steinrosette sind aus diesem Material gefertigt. Sie sind farblich gut zu erkennen und zeugen von dem Können des einheimischen Steinmetzhandwerks. Gerade dieser grün-graue Sandstein aus Zeil wurde seit Jahrhunderten von vielen bedeutenden Baumeistern und Künstlern geschätzt und als Bildhauerstein genommen, weil er gut zu formen und zu bearbeiten ist. Er wurde auch bei der jetzt durchgeführten Renovierung für die drei neuen Altäre und den Ambo (=Verkündigungspult) verwendet.

 

Bedingt durch ungünstige Witterungsverhältnisse konnten dann erst im Mai 1895 die Weiterarbeiten fortgeführt werden. Auch während der laufenden Bauarbeiten gingen die Sammlungen für drei neue Glocken weiter. Mit größeren Beträgen aus Spenden und Sammlungen sind die beiden Zeiler Bürger Nikolaus Schwinn und Nikolaus Steininger in den hiesigen Annalen für immer vermerkt.

 

Die neuen Glocken wurden bei der Glockengießerei Klaus in Heidingsfeld bestellt und im September 1895 ausgeliefert. Mit Genehmigung der bischöflichen Behörde in Würzburg fand dann am 14. September 1895 durch Dekan Link die feierliche Glockenweihe statt. Es waren unzählige Menschen dazu auf den Berg gekommen. Als nach erfolgtem Einbau das als sehr harmonisch beschriebene dreistimmige Geläute erstmals erklang, weinten viele Leute vor Freude.

 

Im Jahr 1896 gingen die Außen- und vor allem die Innenarbeiten zügig weiter und so konnte das neue Gotteshaus seiner Vollendung entgegensehen.

 

Letzte Arbeiten waren 1897 noch die künstlerische Ausmalung des Kirchenraums, die Ausgestaltung einer Nische auf der linken Seite des Kirchenraumes als Lourdesgrotte und der Einbau der drei Altäre. Dann kam der Tag der Einweihung am letzten Tag im Mai 1897, dessen 100-jähriges Jubiläum heuer so eindrucksvoll und angemessen gefeiert wurde. Unter dem Klang der Glocken war eine unübersehbare Menschenmenge herbeigeströmt und verfolgte die Weihehandlungen von Bischof Franz Josef von Stein aus Würzburg, der damit das "Zeiler Käppele" seiner kirchlichen Bestimmung als heute noch immer beliebter Marienwallfahrtsort übergab.

 

Der Erbauer der neuen Kapelle, Dekan des Landkapitels Haßfurt und Stadtpfarrer von Zeil Karl Link, wurde für seine großen Verdienste auch zum Ehrenbürger von Zeil ernannt. Er konnte noch mehrere Jahre die beginnende Blütezeit der Wallfahrten miterleben und fördern. Nach über 20 Jahren als Seelsorger in Zeil verstarb er am 30. März 1903. Eine Gedenktafel aus Zeiler Sandstein an der Kreuzkapelle im Friedhof erinnert an diesen Mann, der so unauslöschliche Spuren seines Wirkens in Zeil hinterlassen hat.

 

Mit der Übergabe seines Grundstücks einschließlich der kleinen Maria-Hilf-Kapelle durch den letzten Eigentümer Georg Weinig an die Stadt Zeil wurde diese ab 1890 die neue Eigentümerin und blieb es auch, als die alte Kapelle abgerissen und dafür die neue Kirche erstellt war.

 

Die ab 1904 unternommenen jahrelangen Bemühungen durch das Ordinariat in Würzburg und den neuen Zeiler Pfarrer Franz Hohmann, eine Grundstücksübertragung von der Stadt Zeil an die hiesige Pfarrei zu erreichen, waren erfolglos.

 

Nach weiteren Jahren kam es schließlich zwischen dem Zeiler Stadtrat und der Kirchenverwaltung zu Meinungsverschiedenheiten über die Verwendung der eingehenden Opfergelder auf dem Kapellenberg im Hinblick auf die bauliche Unterhaltung der neuen Wallfahrtskirche. Diese unbefriedigende Situation harrte jahrelang einer Lösung. Als ab 1916 der neue Stadtpfarrer Johann Dümler, ein gebürtiger Prölsdorfer, in Zeil eingezogen war, nahm sich dieser in äußerst couragierter Weise der Angelegenheit an und erreichte in persönlichen Verhandlungen mit dem damaligen Bürgermeister Nikolaus Drebinger und dem Ratskollegium eine für beide Seiten zufriedenstellende Einigung. Darin wurde festgelegt, daß von Seiten des Stadtrats gegen die Abtretung und Besitzveränderung der Bergkapelle an die katholische Kirchengemeinde keine Bedenken bestünden. Von dieser müßten jedoch im Gegenzug die durch die Besitzveränderung anfallenden Unkosten sowie zukünftig die Baulast an dem Kirchengebäude übernommen sowie die staatliche Genehmigung für diese Transaktion bei den Aufsichtsbehörden beantragt werden.

 

Nachdem die Mitglieder der Kirchenverwaltung mit dieser Lösung einverstanden waren, erfolgte im September 1919 auch seitens des Stadtrats der zustimmende Beschluß. Anschließend wurde die Änderung der Besitzverhältnisse beim Notar und im Grundbuchamt offiziell vollzogen. Die katholische Kirchenverwaltung wurde damit nach bürgerlichem Recht die Eigentümerin der Grundstücksnummer 815 in der Germarkung Zeil auf dem Kapellenberg, beschrieben als "Gebäude, Kirche mit Kirchplatz zu 0,167 Hektar".

 

Somit hat die Zeiler Kirchenverwaltung seit 1919 für alle anfallendenn Baulasten am Zeiler Käppele aufzukommen, wobei sie jedoch bei größeren Ausgaben immer durch die Stadtgemeinde und die Diözese hilfreich unterstützt wurde. Zuletzt zeigte sich dies bei der jüngst durchgeführten Renovierung der Wallfahrtskirche, deren Gesamtkosten die Summe von 1,3 Millionen DM erreichten. Doch welchen Stellenwert das Zeiler Käppele bei der einheimischen Bevölkerung einnimmt geht daraus hervor, daß für diese Renovierung bisher an Spenden von Privatpersonen und örtlichen Vereinen über eine Viertel Million DM an die hiesige Kirchenverwaltung übergeben wurden. Dies ist eine wahrlich großherzige Einstellung der heutigen Zeiler, die der Opferbereitschaft früherer Generationen in nichts nachstehen.

 

 

6. Der Steuereinnehmer Johann Wernhammer, Erbauer der ersten Kapelle im Jahre 1727.

 

 

In der Zeit um 1688 wurde ein junger Beamter des Fürstbischofs von Bamberg mit Namen Johann Wernhammer als Steuereinnehmer nach Zeil versetzt. Schon nach kurzer Zeit hatte er durch seine berufliche Tätigkeit Kontakt zu den Bürgermeistern und Ratsherren der Stadt. Etliche dieser Herren hatten Töchter im heiratsfähigen Alter und eine Eheschließung mit einem Beamten wurde, wie aus zahlreichen andern Fällen um diese Zeit zu belegen ist, gern gesehen und sehr gefördert. Brachte eine solche Verbindung doch auch vermehrtes Ansehen für die hiesige Familie.

 

So konnte es garnicht ausbleiben, daß der begehrte Junggeselle schon bald eine standesgemäße Partnerin fand. Beim damaligen Ortsgeistlichen, dem Langheimer Zisterzienserpater Gallus Knauer, wurde das Aufgebot bestellt und mit diesem der Termin für die Hochzeit besprochen und festgelegt.

 

In einem Kirchenbuch der kath. Pfarrei St. Michael aus dieser Zeit ist der entsprechende Hochzeitseintrag vom 20.06.1689 zu finden. Er gibt auch Aufklärung über die Herkunft des Bräutigams, dessen Name in den kirchlichen Eintragungen anfangs immer "Wernhaimer" oder "Wernheimer" niedergeschrieben ist, später aber wie auch in Ratsunterlagen "Wernhamer" oder "Wernhammer".

 

Johann Wernhammer, ca. 1665 geboren, stammte aus "Berngau in Schulteisen Ambt Neümarck", also aus der Nähe von Neumarkt/Opf. Seine Eltern gab er mit "Sebastian und Christina Wernhaimer" zu Protokoll, der Vater war Hofbeamter in der nahen Residenzstadt Neumarkt.

 

Die Braut des jungen Steuereinnehmers war Anna Margaretha Pläncklein, eine Tochter des Ratsherren Andreas Pläncklein und seiner Ehefrau Christina. Als Trauzeugen assistierten bei der Hochzeit der Ratsherr und spätere Bürgermeister Johann Conrad Albrecht und der Zeiler Bürger Johann Tugelius. Sicherlich folgte der kirchlichen Trauung eine standesgemäße Feier in einem Wirtshaus oder im Saal des Rathauses, wo ebenfalls öfters die "Hochzeitstänz" abgehalten wurden. Für die Anwohner und die Neugierigen gab es an solchen Tagen immer viel zu sehen und zu bestaunen, bot sich doch dadurch eine willkommene Abwechslung im täglichen Einerlei.

 

Dem jungen Ehepaar wurde vom Vater und Ratsherren Pläncklein eine Wohnung bereitgestellt und schon bald stellte sich auch Familienzuwachs ein. Bis 1693 wurden drei Kinder geboren, zwei Töchter mit den Namen Anna Gertrauth und Anna Margaretha sowie ein Sohn mit Namen Johann. Leider verstarben die beiden Mädchen schon im Kleinkindalter, das 1691 geborene Söhnchen Johann wurde nur etwa 9 1/2 Jahre alt und verstarb am 08.08.1699. Die Mutter der drei Kinder konnte wohl deren frühen Tod nicht verwinden und verstarb ebenfalls um 1701.

 

Nun stand der inzwischen etwa 36 Jahre alte und beruflich erfolgreiche Johann Wernhammer nach 12-jähriger Ehe wieder alleine im Leben. Was mögen ihm für Gedanken in den Kopf gekommen sein, wir wissen es nicht. Bestimmt hat er auch an seine frühere Heimat und an seine Jugendjahre gedacht, wo er sicher zusammen mit seinen Eltern als junger Mensch auf Wallfahrt ging. In der von seinem Heimatort Berngau nur ca. 5 km entfernten Stadt Neumarkt gab es auf dem Kalvarienberg eine Mariahilf-Kirche, die großen Zulauf von Betern und Pilgern hatte. Auch in dem etwas weiter entfernten Nachbarort Freystadt gab es eine vielbesuchte Wallfahrtskirche "Mariahilf". Vielleicht hat er an diese Orte gedacht und in Erinnerung daran oft das in vielen alten Kirchenliedern und Gebeten enthaltene Stoßgebet "O Maria hilf" gesprochen, um über seine Schicksalsschläge hinwegzukommen.

 

Doch das Leben ging weiter, der Beruf forderte den ganzen Mann und allmählich überwand er unter tröstender Anteilnahme der hiesigen Verwandten und Bekannten seinen persönlichen Tiefpunkt und faßte neuen Mut. Am 03.07.1702 fand in Zeil seine zweite Hochzeit statt. Die Braut Margaretha Förster war wiederum aus namhaftem Haus und eine Ratsherrentochter, ihre Eltern hießen Andreas und Margaretha Förster. Zu dieser Zeit war der Langheimer Zisterzienserpater Erhard Eberth in Zeil Ortsgeistlicher. Bei der Hochzeit waren die beiden Trauzeugen Johann Michel Köhler, Stadtschreiber und Franciscus Adolphus Leyck, Ratsherr und "Lammwirt" anwesend.

 

Am 15.02.1704 wurde dem Ehepaar das Söhnlein Valentinus geboren, welches jedoch bereits am 21.02.1704 verstarb. Sollte die familiäre Tragödie für Johann Wernhammer noch weitergehen? Im Jahr 1705 ist er in Zeiler Unterlagen erstmals selbst als Ratsherr genannt, ebenso als Pächter von Wiesenflächen. Diese lagen in der Gemarkung "Erlach", in den Mainauen gegen Augsfeld zu, wo das geerntete Gras zur Heugewinnung für das Stallvieh verwendet wurde. Am 02.01.1707 kam wieder ein Söhnchen zur Welt, es wurde Johann Adam getauft und 1709 noch ein Töchterlein Anna Maria, sein familiäres Glück schien sich doch noch einzustellen. Sein Ansehen als Ratsherr war gestiegen und auch sein Hausstand hatte sich vergrößert. Er hatte sicherlich Dienstboten für die landwirtschaftlichen Arbeiten und das Vieh im Stall beschäftigt, 1708 und 1709 wurde er wiederum als Pächter von größeren Wiesenflächen aktenkundig.

 

Im Jahre 1712 erlitten Johann Wernhammer und seine Ehefrau Margaretha erneut persönliches Leid, denn ihr Sohn Johann Adam starb am 21.04. im Alter von 5 Jahren. Von den bisherigen sechs Kindern aus erster und zweiter Ehe war nur noch die Tochter Anna Maria am Leben und das Gebetlein "O Maria hilf" wird Johann Wernhammer Tag und Nacht über die Lippen gekommen sein. Doch das Schicksal hielt für ihn noch mehr an Leid und Schmerz bereit. Seine Ehefrau Margaretha erkrankte schwer und trotz zweijähriger ärztlicher Bemühungen und zähem Überlebenskampf verstarb dieselbe am 14.11.1715 und ließ ihn mit dem 6-jährigen Töchterlein auf dieser Welt in Trauer und Verzweiflung zurück.

 

Dem Witwer mit seiner kleinen Tochter Anna Maria blieb nun nichts anderes übrig, als schnellstmöglich erneut zu heiraten, um die Versorgung des Kindes und des Hauswesens sicherzustellen. Die nächste und dritte Heirat am 03.02.1716 war keineswegs Pietätlosigkeit gegenüber der erst drei Monate vorher verstorbenen Ehefrau, sondern erfolgte aus Not und Erhaltungstrieb für das einzige Kind. Der inzwischen 51 Jahre alte Ratsherr und Steuereinnehmer Johann Wernhammer verehelichte sich nun mit der 22-jährigen (Anna) Maria Kunegunda Albrecht, Tochter des verstorbenen früheren Bürgermeisters Johann Conrad Albrecht, welcher bei seiner ersten Eheschließung im Jahr 1689 als Trauzeuge assistiert hatte. Diesmal waren die beiden Ratsherren Kilian Bottler und Johann Michael Fuchs die Trauzeugen für ihren Kollegen, als Pfarrer übernahm der Langheimer Zisterzienserpater Joachim Schubert die kirchlichen Zeremonien.

 

Mit der jungen Ehefrau kam auch neuer Schwung in das Leben des zweimal verwitweten Steuerbeamten zurück. Allein schon an den vorhandenen Einträgen in Ratsunterlagen ist zu ersehen, mit welchem Elan er plötzlich völlig neue Unternehmungen beruflicher Art anging. Durch seine drei Hochzeiten mit hiesigen Bürgerstöchtern war er inzwischen mit vielen alteingesessenen Familien des Städtchens verwandt und verschwägert. Er war angesehen, seine finanziellen Verhältnisse waren entsprechend geordnet und gesichert, er war als wohlhabend zu bezeichnen.

 

Ab 1716 pachtete Johann Wernhammer für mehrere Jahre das Recht auf die gewerbsmäßige Sammlung von Holzasche aus den Herdstellen der Haushaltungen im Stadtbereich. Diese sog. Pottasche wurde weiterverkauft und zur Fabrikation von Glas und Seife benötigt.Im gleichen Jahr begann er auch mit dem Handel und Verkauf von Zwetschgen in größeren Mengen, er ließ jeweils deren Gewicht auf der städtischen Waage ermitteln.

 

Im Jahr 1717 ließ er 32 Zentner Zwetschgen wiegen und nach auswärts verkaufen. In diesem Jahr muß er eine Schankwirtschaft erworben haben, in Zeiler Unterlagen wird er auch als Wirt aufgeführt. Im Ausschank gab es bei ihm neben anderen Getränken auch Wein und als er 1718 von den einheimischen Weinanbauern nicht die benötigte Menge bekommen konnte, kaufte er "6 Eymer" (= ca. 500 Liter) Wein von auswärts und mußte dafür Einfuhrzoll bezahlen.

 

In den Jahren 1717, 1718 und 1720 schenkte ihm seine junge Frau drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Doch 1720 verstarb auch sein letztes Kind aus zweiter Ehe, die inzwischen 11-jährige Anna Maria.

 

Noch weitere 5 Kinder bekam seine Ehefrau dann in den Jahren 1723 bis 1734, einen Sohn und vier Töchter, somit insgesamt 8 an der Zahl, die fast alle das Erwachsenenalter erreichten.

 

In den Jahren 1724 bis 1726 ist Johann Wernhammer wieder als Pächter für die Pottaschensammlung vermerkt. 1725 handelt er wieder mit Zwetschgen, ist als Lieferant eines Stuhls aus Eiche für das Bürgermeisteramt und auch als Lieferant von 104 1/2 Pfund Flacheisen für die hiesigen Schmiedemeister anläßlich des Baus der neuen Turmhaube auf dem Stadtturm im Geschäft.

 

Der Ratsherr Johann Wernhammer war inzwischen 60 Jahre alt geworden, war noch recht gesund, seine Geschäfte florierten, er hatte eine tüchtige Frau im Haus und vor allem auch viele gesunde Kinder. Doch bestimmt konnte er die Schicksalschläge in seinen beiden ersten Ehen mit den Frauen und Kindern nicht vergessen und war deshalb um so dankbarer, daß sein familiäres Glücknun so vollkommen war. Diese Dankbarkeit wollte er in irgend einer Form auch nach außen zeigen. So mag ihm der Gedanke zum Bau einer kleinen Kapelle auf dem Berg neben dem bereits vorhandenen "Heiligen Kreuz" gekommen sein, den er 1727 auch ausführte. Er ließ als einzigen Innenschmuck in der kleinen Kirche das heute noch erhaltene Maria-Hilf-Bild anbringen, dies geschah sicher im Gedenken an die Maria-Hilf-Wallfahrtsstätten in seiner alten Heimat. Als ihn dann auch noch im gleichen Jahr 1727 seine Ratskollegen zum Oberbürgermeister (der beiden oberen Stadtviertel) von Zeil erwählten, war dies wahrscheinlich der Höhepunkt in seinem Leben. In dieses Jahr fiel auch die erstmalige Anbringung von zwei Vorhangstangen und dazugehörigen Vorhängen in einem Raum des Rathauses, vielleicht in seinem Dienstzimmer. Die Amtszeit als Bürgermeister dauerte gewöhnlich zwei Jahre und ab 1729 waltete Johann Wernhammer als Unterbürgermeister (der beiden unteren Stadtviertel) im Städtlein. In diesem Jahr war er auch wieder Pächter großer Wiesenflächen und amtierte dazu noch als städtischer Brücken- und Pflasterzolleinnehmer.

 

Im Jahr 1730 verkaufte Johann Wernhammer nach der Gewichtbestimmung auf der städtischen Waage wieder 5 Fässer Pottasche und 79 Zentner Zwetschgen nach auswärts.

 

1731 war er erneut Unterbürgermeister, 1732 letztmals Oberbürgermeister und ab 1733 weiterhin ständig im Amt als Ratsherr tätig. Er ist dann wieder als Wiesenpächter 1739 aktenkundig und 1740 kaufte er von der Zeiler Kirchenverwaltung "6 Eymer" zweijährigen Wein als Messwein zum Weiterkauf in andere Orte. Unermüdlich in seiner Geschäftigkeit war er als Pottaschensammler wieder 1741 und 1742 in Ratsakten zu finden und 1743 nochmals als Brücken- und Pflasterzolleinnehmer, inzwischen schon etwa 78 Jahre alt. Auch in den letzten fünf Jahren seines Lebens begleitete er weiterhin sein Amt als Ratsherr und als er langsam sein nahendes Ende verspürte, stiftete er zu seinem Andenken ein Steinkreuz mit entsprechender Inschrift, welches ebenfalls noch erhalten ist und am äußeren Treppenaufgang zur Empore der Zeiler Pfarrkirche steht.

 

Johann Wernhammer verstarb 1748 im damals außergewöhnlich hohen Alter von etwa 83 Jahren als Ältester des Ratsgremiums. Er litt schon einige Zeit an einer Entzündung der oberen Luftwege, hatte Erstickungsanfälle, war dadurch sehr geschwächt und beendete sein irdisches Leben in der Nacht des 12.Sept.1748. Die Gebühren für sein Begräbnis, die Seelenmessen und die Kerzenspenden seiner Witwe sind alle in den hiesigen Akten vermerkt und erhalten.

 

Als im Jahre 1748 eine amtliche Zählung der Häuser in den einzelnen Zeiler Stadtvierteln durchgeführt wurde, besaß die Familie Wernhammer zwei Häuser. Eines lag innerhalb der Stadtmauer, etwa im Bereich Langgasse-Marktplatz-Speiersgasse, es dürfte das Wirtshaus gewesen sein. Das zweite Haus lag außerhalb der Stadtmauer und beherbergte wahrscheinlich den landwirtschaftlichen Teil des Gesamtbesitzes der Familie.

 

Der älteste Sohn Franciscus Georgius Wernhammer, im Jahr 1717 geboren, war 1732 als Student bei der Universität in Bamberg eingeschrieben, trat aber später in Zeil nicht mehr in Erscheinung.

 

Bereits zu Lebzeiten des Vaters verheirateten sich in den Jahren 1742 und 1745 zwei WernhammerTöchter mit höhergestellten fürstbischöflichen Beamten, eine dritte Tochter ebenfalls 1756.

 

Eine weitere Tochter Dorothea Gertrudis wurde Ordensschwester in einem Institut in Aschaffenburg, sie verstarb 1792.

 

Bei der Mutter in Zeil war noch die ledige Tochter Elisabeth verblieben und beide zusammen sorgten für Ordnung und Fortgang im kleiner gewordenen Hauswesen. Die Schankwirtschaft des Vaters wurde veräußert, doch der Bereich der Viehwirtschaft wurde weitergeführt. In den Jahren 1751 und 1753 ist die Witwe Wernhammer nochmals als Pächterin von Wiesenflächen in der Gemarkung "Schnür" an der Grenze zur Augsfelder Flur hin aktenkundig, doch mit dem Tod ihres Ehemannes nach 32-jährigrer Ehe hatte sie offensichtlich viel an Lebenswillen und Energie verloren. Am 20.09.1757 verstarb die Witwe Anna Maria (Kunegunda) Wernhammer in Zeil im Alter von etwa 63 Jahren.

 

Die alleinstehende und unverheiratete Tochter Elisabeth lebte noch bis zum Jahr 1798. Der Eintrag der Gebühren in den Gotteshausrechnungen für ihre Beerdigung, feierliches Glockengeläut, Seelenmessen und Kerzenopfer sind das sichtbare Ende der 110-jährigen Existenz einer Familie mit Namen "Wernhammer" in Zeil.

 

Das von Johann Wernhammer kurz vor seinem Tod gestiftete steinerne Kreuz zu seinem Andenken wurde schon bald angefertigt und an der Außenmauer der Zeiler Pfarrkirche aufgestellt. In dem verzierten Sockelteil des Kreuzes wurde in lateinischer Sprache eine Inschrift angebracht, die sinngemäß lautete: Im Jahre 1748 am 12. September verstarb im Alter von ..... Johann Wernhammer, Zeiler Ratsherr und Steuereinnehmer......, er ist der Stifter dieses Kreuzes und der Kapelle auf dem Berg.

 

Der ausführende und namentlich nicht bekannte Steinmetz mußte den ganzen lateinischen Text der Inschrift auf dem Sockel des Kreuzes einmeißeln. Da er aus Platzgründen Mühe hatte, auf der be-grenzten Fläche den ganzen Text unterzubringen, wußte er sich nur so zu helfen, daß er verschiedene Wörter abkürzte, damit sie in die vorgesehene Zeile paßten. Durch die abgekürzten Wörter wurde der Sinn der Inschrift aber nicht verändert oder verfälscht, derartige Abkürzungen wurden oft auf steinernen Denkmälern der damaligen Zeit praktiziert.

 

In der Textzeile, die am Ende auch den Namen "Johann Wernhammer" bekommen sollte, merkte der Steinmetz bei seiner Arbeit, daß er den ganzen Familiennamen nicht unterbringen würde und kürzte ihn in "Wernha er". Trotzdem wußte damals in Zeil jeder Vorübergehende, daß dieser Kreuzesstifter "Johann Wernha er" niemand anderer war als der langjährige Ratsherr und Steuerbeamte. Dieses Wissen hielt sich mindestens solang, wie der Name Wernhammer hier im Ort existierte, und dies war ja bis 1798 der Fall.

 

Das verwendete Material für das Kreuz war Zeiler Sandstein und dieser ist auf Dauer im Freien nicht witterungsbeständig. So wie die angebrachte Inschrift mit dem Hinweis auf den Stifter im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte zu bröckeln begann, so verblaßte dann auch das Wissen über Johann Wernhammer und sein Wirken in Zeil.

 

Im Jahr 1968 erschien im Auftrag des damaligen Landkreises Haßfurt im Verlag des Haßfurter Tagblatts ein Buch mit dem Titel "Flurdenkmäler im Landkreis Haßfurt". Verfasser war Dr. jur. Werner Hoppe, der im Landkreis alle bekannten Flurdenkmäler auflistete und beschrieb. Er war im Rahmen seiner Forschungsarbeit auch in Zeil und nahm alle steinernen Bildstöcke, Kreuze, Kreuzwegstationen und Flurdenkmäler in seiner Bestandsliste auf. Bei dieser Arbeit registrierte er auch das Kreuz zum Gedächtnis an Johann Wernhammer, an dem ein Großteil der Inschrift nur noch sehr schlecht zu entziffern war. Den rekonstruierten lateinischen Text übersetzte Dr. Hoppe dann auch noch in deutsch. Er war offenbar der Meinung, daß der Name "Wernha er" ebenfalls zu verdeutschen sei und legte ihn ohne Zögern mit "Werner" fest. Hätte er nur ein wenig Zeit geopfert und in Zeiler Archivalien diesen Namen überprüft. Er wäre bei hunderten von Eintragungen in der fraglichen Zeit in den Kirchenbüchern, Gotteshausrechnungen, Bürgermeisteramtsrechnungen und Ratsprotokollen immer auf den vollständigen Familiennamen "Wernhammer" gestossen. Doch leider tat er es nicht.

 

 

Sein Buch ging in Druck und wurde veröffentlich und seitdem kursieren in zahlreichen Publikationen, in denen dieses Steinkreuz in Zeil oder die Maria-Hilf-Kapelle auf dem Berg beschrieben werden, die Stifter- bzw. Erbauernamen "Wernhaer", "Wernherr" und "Werner". Im Jahr 1983 wurde schließlich das gesamte Kreuz renoviert und die verwitterte und unleserliche Originalschrift abgetragen. Im Sockelbereich des Kreuzes wurde eine neue Frontplatte eingefügt mit einer nunmehr verkürzten Inschrift in deutscher Sprache. Leider orientierte man sich damals ebenfalls an der Namensübersetzung jenes Dr. Hoppe und so steht nun in vollkommenen Widerspruch zur Wirklichkeit als Name des Stifters "Johann Werner" in dem neuen Text.

 

Hier wäre es angebracht, den von einem ortsfremden Forscher falsch wiedergegebenen Familiennamen dieses Mannes einmal bei passender Gelegenheit zu ändern und zu berichtigen. Allein unter Berücksichtigung der Tatsache, daß Johann Wernhammer 43 Jahre in Zeil Ratsherr war, davon sogar 6 Jahre als Bürgermeister, hätte er eigentlich ganz andere Würdigungen verdient. Was er vor über 250 Jahren im Dienst für die Stadt Zeil erbrachte, wurde vor ihm noch nie erreicht und ist heutzutage wohl ebenfalls nicht mehr zu schaffen.

 

 

1997 Copyright by Heinrich Weisel, Zeil