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"Der Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried und das Zeiler Käppele".

 

 

Ein heimatgeschichtlicher Beitrag im Jubiläumsjahr.

 

In der heuer erstellten Jubiläumsschrift "Das Zeiler Käppele - ein Spaziergang durch seine Geschichte - 1897 bis 1997", findet man auf der Seite 45 auch ein altes Foto von der feierlichen Einweihung des Caritashauses im Jahre 1931. Über diese Feier gibt es im Protokollbuch des Caritasvereins eine Aufzeichnung mit einer Begebenheit, die zum Schmunzeln anregt und die sich wie folgt ereignet hat.

 

Das im Zeitraum von August 1930 bis September 1931 unter tatkräftiger Mithilfe der Zeiler Bevölkerung durch Erbringung vieler Eigenleistungen erbaute Caritashaus war zu seiner Zeit eine äußerst fortschrittliche Einrichtung. Unter seinem Dach befanden sich im Obergeschoß die Wohnräume der Schwestern vom Orden der "Töchter des allerheiligsten Erlösers" aus Würzburg, welche die Führung und Leitung des Hauses übernommen hatten. Im Erdgeschoß gab es die Räume für ein Altenheim mit Altenpflegestation, für den Kindergarten und für die örtliche Jugendpflege und Jugendarbeit. Eigentümer des Hauses war die Stadt Zeil, und der hiesige Caritasverein erhielt nach einem abgeschlossenen Vertrag das sogenannte Nießbrauchrecht, d. h. das Recht auf die Nutzung des ganzen Hauses.

 

Die Einweihung des fertigen Hauses fand am Sonntag, 6. September 1931 statt, an diesem Tag war auch das Schutzengelfest. Der damalige Zeiler Stadtpfarrer und Geistliche Rat Johann Dümler war auch Protokollführer des Caritasvereins und notierte den gesamten Verlauf des Tages im Protokollbuch des Vereins. Nach diesen Aufzeichnungen wurde die Hausweihe durch den damaligenWürzburger Bischof Matthias Ehrenfried vorgenommen. Dieser kam in der Frühe mit dem Auto angereist und wurde von der Zeiler Bevölkerung und den geladenen Gästen am Marktplatz erwartet und zur Kirche geleitet. Dort begrüßte ihn an der Kirchentür der Stadtpfarrer. Nach dem feierlichen Einzug folgte eine Predigt des Bischofs mit anschließender Pontifikalmesse.

 

Im Anschluß daran nahm der Bischof im Pfarrhaus sein Frühstück ein und äußerte danach den Wunsch, dem Zeiler Käppele einen kurzen Besuch abzustatten. Da es zur damaligen Zeit von Zeil zum Kapellenberg hinauf keinen für Autos befahrbaren Weg gab, versuchte der Chaffeur des Bischofs, nach der Anweisung des Stadtpfarrers über Schmachtenberg hinauf auf die Höhe zu kommen, um von der Rückseite des Berges her über die Flurwege das Käppele zu erreichen.

 

Die Höhe oberhalb Schmachtenberg wurde auch vom Fahrer des Bischofs glücklich erreicht, doch dann blieb das Auto in dem aufgeweichten Weg stecken und kam nicht mehr weiter. Die ganze

 

 

 

 

 

Besatzung stieg aus und "trotz Regen und starkem Wind" ging der Bischof mit seinen Begleitern zu Fuß weiter bis zur Bergkapelle. Unterwegs sah der Bischof am Wegrand Schlehensträucher mit Früchten stehen, "und labte sich an den Schleen an den Hecken", wie der Stadtpfarrer später in seinem Protokoll vermerkte. Nach einem kurzen Aufenthalt im Käppele ging es mit schmutzigen Schuhen wieder den gleichen Weg zurück zum Auto und über Schmachtenberg hinab in die Stadt.

 

Am Nachmittag weihte Bischof Matthias feierlich das neue Caritashaus, versprach, bald wieder einmal nach Zeil zu kommen und fuhr gegen 17.30 Uhr unter den "Hoch"-Rufen der Anwesenden ab, um am nächsten Tag in Freising pünktlich an einer Bischofskonferenz teilnehmen zu können. Der Schlußsatz von Stadtpfarrer Dümler im Protokollbuch des Caritasvereins über diesen Tag lautete: "Es war eine erhebende Feier ohne Mißton".

 

Bischof Matthias hielt sein Versprechen, Zeil wieder einmal zu besuchen, denn im Juni 1937 kam er zur großen Kriegerwallfahrt mit über 6 000 Teilnehmern, 100 Vereinsfahnen und 14 Musikkapellen. Wie in der Zeiler Stadtchronik vermerkt ist, gab es damals bereits erste Schikanen gegen den hiesigen Wallfahrtsführer wegen der Anwesenheit des von den braunen Machthabern gehaßten und verfolgten Bischofs.

 

Die letzte und größte Kriegerwallfahrt vor dem Zweiten Weltkrieg fand am 2. Juli 1939 statt. Sie war eine Demonstration des Frankenvolkes für seinen Glauben und für seinen Bischof Matthias Ehrenfried, den man wiederum zu dieser Wallfahrt in Zeil begrüßen konnte. Nach polizeilicher Zählung nahmen 11 300 Menschen und 20 Musikkapellen an der Prozession zum Kapellenberg teil, und zwei Stunden mußten die ersten Teilnehmer auf dem Berg warten, bis auch die letzten oben angekommen waren. Das Mittragen der Kriegervereinsfahnen der zirka 115 teilnehmenden Vereine war bereits verboten. Um das Regierungsverbot der öffentlichen Sammlung von Geldern bei kirchlichen Anlässen zu umgehen, wurden alle Wallfahrtsteilnehmer durch die Zeiler Pfarrkirche geleitet, zu einer Tür hinein und zu der gegenüberliegenden Tür wieder hinaus. In der Kirche selbst konnten sie ihre freiwilligen Spenden in bereitstehenden Behältern ablegen.

 

Der Wallfahrtstag endete am Nachmittag auf dem Zeiler Marktplatz mit dem Lied "Großer Gott, wir loben Dich" und dem bischöflichen Segen. Der aufbrausende Jubel zum Abschluß für den anwesenden Diözesanbischof Matthias Ehrenfried wollte nicht enden, da man wußte, wieviele Schikanen er bereits durch die NSDAP hatte ertragen müssen.

 

Am 15. Juni 1947, zum 50. Weihetag der Bergkapelle, fand die erste große Kriegerwallfahrt in Zeil nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Es waren über 7 000 Wallfahrer mit 15 Musikkapellen gekommen, und auch Bischof Matthias Ehrenfried war trotz seines schlechten gesundheitlichen

 

 

 

Zustands wieder anwesend, um auf dem Berg den Pontifikalgottesdienst zu halten. In seiner Predigt dankte er der Gottesmutter Maria in bewegten Worten für die Errettung des Frankenvolkes aus schwerer Zeit.

 

Es sollte der letzte Besuch von Bischof Matthias auf dem Zeiler Käppele gewesen sein, denn er verstarb im Mai 1948. Noch heute gibt es in unserer Region viele Katholiken, die ihn persönlich erlebten, als er ihnen das Sakrament der Firmung spendete.

 

 

 

 

1997 Copyright by Heinrich Weisel, Zeil.