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Die Steinhauer und ihr Schutzpatron, der Erzengel Michael.

 

 

Der Zeiler Heimatforscher Heinrich Weisel hat in historischen Unterlagen gestöbert und interessante Verbindungen in die "Heiligen Länder" gefunden.

 

Der Zeiler Heimatforscher Heinrich Weisel verfolgt schon seit einiger Zeit akribisch die Spuren der Zeiler Steinhauerzunft. Einen Bericht im FT und im HT nahm er zum Anlaß für Nachforschungen, die ihn zum folgenden Bericht veranlaßten:

 

Vor kurzem wurde über einen Breitbrunner Bildstock berichtet, der nach seiner Renovierung und Neuaufstellung schon in der ersten Nacht durch frevlerische Hände wieder zerstört wurde. Es folgte eine erneute Renovierung dieses Denkmals und seine Wiedererrichtung, verbunden mit einer kleinen Einweihungsfeier.

 

Wie zu lesen war, berichtete der Breitbrunner Bürgermeister Günther Geiling in einer kurzen Ansprache über die Geschichte und Entstehung dieses Bildstocks. Er erklärte auch die abgebildeten Darstellungen der Hl. Georg, Wendelin und Andreas, wobei er letzteren als Patron der Bergleute und somit auch der Steinbrucharbeiter bezeichnete, die es ja in Breitbrunn gab.

 

Der abgebildete Hl. Andreas gilt zwar als Patron der Bergwerksarbeiter, nach der volkskundlichen Literatur wurde er aber mehr beim Wunsch nach einer baldigen Heirat oder um Kindersegen angerufen oder um Hilfe bei auftretender Gicht oder Rotlauf, auch Andreaskrankheit genannt. Dies dürfte auch in Breitbrunn der Grund für die Abbildung auf dem Bildstock gewesen sein.

 

Die in den "Heiligen Ländern" so zahlreich tätigen Steinbrecher, Steinhauer und Steinmetzen hatten dagegen genau wie in Zeil einen ganz anderen Schutzpatron, nämlich den Hl. Erzengel Michael. Bei meinen schon längere Zeit andauernden heimatkundlichen Untersuchungen der Zeiler Steinhauerszene im 17. und 18. Jahrhundert konnte ich in den Zunftarchivalien in Bamberg und Zeil feststellen, daß der St. Michaelstag am 29. September einer der höchsten Feiertage dieser Handwerker war.

 

Bereits am 28.09.1700 erhielt dieses bedeutende Handwerk der Steinhauer, Maurer und Dachdecker in der Stadt Zeil und den Ämtern Schmachtenberg und Ebersberg eine eigene Zunftordnung durch Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn und wurde damit von der Bamberger Zunft abgetrennt und selbständig.

 

In dieser Zunftordnung von 1700 ist im Artikel 29 aufgeführt, es "sollen alle Jahr am Fest des Heiligen Erzengels Michaelis, als den 29. Septembris die Meister und Gesellen zu Zeil dem Amt der Heiligen Meß beiwohnen, und zu Opfer gehen, dann nach verrichten Gottesdienst um zwölf Uhr ungefordert in des Laden Meisters Behausung daselbst zusammenkommen ....... mit entblößtem Haupt, ohne Wehr und Waffen ...... erscheinen". Wer zu der Zunftversammlung nicht erschien, mußte ein Pfund Wachs für Kerzen bezahlen, welche dann vor dem Bildnis des Hl. Michael in der Zeiler Pfarrkirche angezündet wurden.

 

In dieser Zunftversammlung, "Hauptgebot" genannt, wurden die Rechenschafts- und Kassenberichte verlesen und besprochen. Es wurden Lehrlinge neu angenommen oder Gesellen freigesprochen und vorgekommene Streitigkeiten der Meister oder Gesellen untereinander behandelt und oft auch mit Geldstrafen belegt. Es wurden auch im ein- oder zweijährigen Turnus neue Viermeister nachgewählt ("erkühret"), welche zu viert die Leitung der Zunft und ihre Vertretung nach außen vorzunehmen hatten. Die Versammlung endete mit einem gemeinsamen Mahl der Anwesenden. Oft wurden Strafen auch in Form von Bier oder Wein ausgesprochen und von den Versammlungsteilnehmern gleich verkonsumiert.

 

Bei den alljährlichen Fronleichnamsprozessionen wurde die Statue des Hl. Erzengels Michael mitgetragen und die Meister des Handwerks waren alle als Begleiter mit Kerzen oder kunstvoll geschnitzten Kerzenstäben in den Händen dabei. In Zeil wird ein Rest dieses Brauches noch heute durch die Gruppe der "Zeiler Steinhauer" hochgehalten und die Statue des Erzengels Michael und die große Michaelsfahne werden immer an Fronleichnam mitgetragen, ebenso bei der abendlichen Lichterprozession am Kirchenpatrozinium.

 

Bei meiner Suche nach den Meisternamen aus unserer Region in den "bambergischen" Archivalien fand ich keinerlei Personennamen aus den "Heiligen Ländern". Dies war eigentlich auch zu erwarten, denn die Handwerker aus den Orten Kirchlauter, Neubrunn, Breitbrunn usw. waren offen-sichtlich alle "würzburgischen" Zünften angeschlossen. In diesem Bereich gab es ab 1725 in Haßfurt eine eigene Zunft und nach Eintragungen im Zeiler Zunftbuch auch in Eltmann ab 1745, wahrscheinlich auch schon früher. Es ist als ziemlich sicher anzunehmen, daß die Meister aus den oben genannten Orten in den Haßbergen der Eltmänner Zunft angehörten und in dortigen Unterlagen verzeichnet waren.

 

Anders war es bei den Lehrjungen und Gesellen aus den genannten Orten, diese konnten bei Meistern im "bambergischen" Zeil lernen oder arbeiten und ich fand bei meiner Untersuchung auch etliche Namen. Diese schriftlichen Funde beweisen, daß die Tradition dieses Handwerks in den "Heiligen Ländern" sehr weit zurückreicht.

 

Aus Bamberger Zunftunterlagen geht hervor, daß am 22.05.1689 der "Geörg Schobert, Sohn des Hafners Michel Schobert von Neübrünn" für drei Jahre bei dem Zeiler Meister Melchior Kurtz in die Lehre gegeben und in das Zunftbuch eingeschrieben wurde. Für den Lehrjungen bürgten mit einer Geldsumme "Clausen Hofmann und Michel Schobert seinem Vatter Bruder von Neübrünn", daß er gegen seinen Lehrmeister gehorsam, treu und fleißig sei und das ihm übergebene Werkzeug in "fleißiger Verwahrung" halten solle. Geörg Schobert wurde am 04.05.1692 als Geselle freigesprochen.

 

Ebenfalls in Bamberger Zunftunterlagen ist verzeichnet, daß am 25.03.1691 der "Hannß Paul Fischer, Sohn des Hannß Paul Fischer ..." von Rudendorf bei dem Zeiler Meister Melchior Kurtz in die Lehre gegeben wurde.

 

Der Lehrjunge Hannß Paul Fischer hatte bereits drei Jahre bei dem Meister "Hannß Heinrich Hüebner zu Reckendorf Ambt Marckh Baunach" als Maurer gelernt und wurde nun noch für zwei Jahre beim Zeiler Meister als Steinhauerlehrjunge eingeschrieben. Er wurde am 04.01.1693 als Steinhauergeselle freigesprochen.

 

Ein Maurergeselle wurde schlechter bezahlt als ein Geselle, der sowohl als Maurer wie auch als Steinhauer gelernt hatte. Diese Lehrzeit für beide Berufe dauerte normalerweise drei Jahre, für den Sohn eines Meisters sogar nur zwei Jahre.

 

In Zeiler Zunftunterlagen wurde am 08.07.1731 der bei einem hiesigen Meister arbeitende Maurergeselle "Andreß Kaiser Von Kirchlauter" als sog. Fördergeselle genannt. Die Fördergesellen waren qualifizierte Fachleute in ihrem Beruf, wurden von der Zunftleitung bestimmt und bekamen die Lehrjungen während deren Ausbildungszeit zugeteilt, um ihnen das berufliche Können und Wissen zu vermitteln und weiterzugeben und sie somit zu "fördern".

 

Aus den genannten drei Personenfunden ist zu ersehen, daß die Zeiler Zunft schon frühzeitig einen entscheidenden Anteil an der Ausbildung des Berufsnachwuchses und somit an dem späteren Aufschwung dieses Handwerks in unserer Region hatte.

 

Zum Schluß sei nach den volkskundlichen Hinweisen und historischen Fakten aber nochmals an den Breitbrunner Bildstock mit der Abbildung des hl. Andreas erinnert.

Bei der zweimaligen Renovierung hatte ein sehr irdischer "Andreas" seine Hände im Spiel, nämlich der Zeiler Steinmetzmeister Andreas Brecht, der die Arbeit in bewährter Weise ausführte. Bleibt zu hoffen, daß die Breitbrunner Bürger dieses Kulturdenkmal sorgfältig im Auge behalten und fürsorglich pflegen, damit des Meisters Arbeit nicht vergeblich war und auch für spätere Generationen dieses einheimische Kunstwerk erhalten bleibt.

 

 

1997 Copyright by Heinrich Weisel, Zeil.